Voyant Tools im Deutschunterricht

In den Schlussabschnitten von »Digitaler Deutschunterricht« diskutiere ich die Frage, wie Lernenden quantitative Verfahren bei der Lektüre von Texten hinzuziehen können.

Ein mächtiges Hilfsmittel ist Voyant Tools. Es kann ohne Konto und Login kostenlos genutzt werden. Auf der Startseite erscheint dieses Fenster, in welches ein Text kopiert werden kann. Alternativ ist es möglich, einen Text von der Festplatte hochzuladen.

Beim Klick auf »Anzeigen« erscheint dann ein großes Dashboard. Es verbindet ganz unterschiedliche Tools miteinander. Diese werden in der Dokumentation alle genauer erklärt.

Im vorliegenden Beispiel arbeite ich mit den ersten sechs Seiten des ersten Bildes von »Herr Puntila und sein Knecht Matti« (Unterrichtseinheit dazu). Das ist recht wenig Text – das Tool wird leistungsfähiger, wenn man mehrere lange Texte vergleicht.

Gleichwohl zeigen sich einige interessante Aspekte: Die Links-Ansicht (unten) zeigt etwa, welche Schlagworte besonders wichtig sind und mit welche anderen Wörtern in ihrer Nähe stehen. Das ist eine recht gute Approximation des Plots: Es geht nämlich um diese drei Figuren und die Rollen »Herr« und »Chauffeur«. Die Ansicht (die sich auch modifizieren lässt) zeigt hier, was eine Maschine sieht, wenn sie diesen Text liest.

Ähnlich verhält sich das mit der Trends-Ansicht, die zeigt, wie häufig die wichtigsten Begriffe vorkommen. Hier lässt sich erkennen, dass im Verlauf der Szene Matti zur dominierenden Figur wird und mit Puntila zusammen auch den Ober verdrängt.

Schon allein die Wörterliste (die mit anderen Ansichten verlinkt ist), ist aufschlussreich. Sie zeigt etwa, dass der Begriff Mensch (auch in der Variante »Menschen«) nach Puntila und Matti am häufigsten vorkommt: Es geht also um ein Gespräch von Puntila und Matti über die Frage, was ein Mensch ist.

Voyant Tools eignet sich im Unterricht, um Schüler*innen vorzustellen, welche Verfahren Digital Humanities einsetzen. Sie können spielerisch erste Erfahrungen damit sammeln, Hypothesen bilden und einen quantitativen Eindruck des Textes mit ihren Lektüreerfahrungen verbinden. Im besten Fall finden sie Hinweise darauf, weshalb sie einen Text so lesen, wie sie ihn lesen… Und im noch besseren Falle äußern sie Skepsis, sehen, wo die Grenzen solcher Verfahren liegen und wo eine genaue Lektüre Einsichten generieren kann, die einer automatisierten Vermessung entgehen.

(Ich danke @frueheneuzeit für den Hinweis auf Voyant Tools).

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