Interaktionen gestalten als wesentliche Kompetenz in einer Kultur der Digitalität

Kürzlich habe ich auf Twitter auf den #edchatde zurückgeblickt – ein Format, bei dem pädagogische Interessierte sich eine Stunde zu einem vorgegebenen Thema ausgetauscht haben. Matthias und Tobi haben darauf hingewiesen, wie wichtig die Möglichkeit war, in diesem Rahmen interagieren zu können.

Torsten Larbig und André Spang haben mit dem Format einen Weg gefunden, um eine nachhaltige Interaktion zu gestalten. Waren sie am Anfang bei der Auswahl der Themen und der Moderation stark beteiligt, konnten sie sich später auch wochenweise komplett zurückziehen: Auch die Moderation und die Themenauswahl waren als Interaktionen designt, die andere übernehmen konnten.

Das Beispiel zeigt zunächst, was ich unter einer Interaktion verstehe:

  • eine strukturierte Kommunikationsform
  • bei der sich unterschiedliche Personen mit Fachkenntnissen und Perspektiven
  • zu einem Thema
  • moderiert austauschen können
  • eine kuratierte Dokumentation macht die Interaktion auch für andere zugänglich.

Beispiele sind Podcast-Gespräche, Twitter-Diskussionen, Twitch-Streams, Instagram-Live-Interviews, Q&A-Sessions auf verschiedenen Plattformen etc.

Für ein Thesenpapier zum Sprachunterricht in einer Kultur der Digitalität habe ich das mit dem Erarbeiten strukturierter Texte verglichen:

Interaktionen organisieren wird wichtiger als komplexe Texte strukturieren

In einer Kultur der Digitalität stellen Menschen ihre Streams selber zusammen. Kompetente und verantwortungsvolle Menschen können gehaltvolle Interaktionen anbieten – das wird wichtiger, als längere und komplexe Texte zu verfassen. 

In der Diskussion dazu (Interaktion!) wurden besonders zwei Kritikpunkte stark gemacht:

  1. Das sei eine falsche Dichotomie, weil beides doch wichtig sei.
  2. Strukturierte Texte seien auf eine Form einer Interaktion.

Beide Einwände kann ich nachvollziehen, würde aber darauf entgegnen, dass sich der Fokus verschiebt: Lehrmittel, propädeutische sowie wissenschaftliche Arbeiten werden beispielsweise prototypisch von der Perspektive strukturierter Texte aus gedacht. Würden hier Interaktionen zum Ausgangspunkt, gäbe es weiterhin Texte, auch komplexe – aber sie wären Bestandteil von verschiedenen Interaktionen. Das ist deshalb wichtig, weil in einer Kultur der Digitalität Autor*innen nicht alle Perspektiven einnehmen können, sondern erst über den Austausch sichtbar wird, was in einer Vorlage fehlt, wo blinde Flecken liegen, wo relevante Erfahrungen ausgeblendet werden.

Strukturierte Texte können – so wie ich das hier mache – Interaktionen dokumentieren oder ein Beitrag für eine weitere Interaktion sein. Sie sind aber darin eingebunden.

Texte, die kaum jemand liest, sind ein Auslaufmodell. Sie haben im Bildungssystem noch immer einen hohen Stellenwert. Hier tritt aus meiner Sicht eine Verschiebung ein.

Best of Loserfruit April 8th - YouTube
Twitchstream von Loserfruit

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