Authentizität auf digitalen Plattformen herstellen – was wir von der Polizei Hamburg lernen können

Die Polizei sieht sich aufgrund von Polizeigewalt und den damit verbundenen #blacklivesmatter-Protesten mit intensiver Kritik konfrontiert. Eine Form digitaler PR-Strategie besteht darin, auch positives Feedback zu zeigen. Das hat die Polizei Hamburg am 1. Juli gemacht:

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Der Tweet hat sich viral verbreitet. Sehr schnell wurde die Postkarte aber als Fälschung bezeichnet: die Schrift, die Fehler und der Stil seien nicht authentisch, könnten nicht von einem Kind stammen.

Hier passiert nun etwas, was für jede Form von Social-Media-Kommunikation relevant ist: Weil alles, was kommuniziert wird, medial vermittelt vorliegt, kann die Authentizität von allem in Zweifel gezogen werden. Mehr noch: Eine Grundregel ist, dass überzeugende, glatte Geschichten, die sich viral verbreiten, meistens nicht authentisch sind – sondern wesentliche Aspekte ausgelassen, verzerrt oder erfunden worden sind.

Was bedeutet das? Wer glaubwürdig kommunizieren will, muss damit rechnen, dass Zweifel laut werden – und wissen, wie die Antwort auf diese Zweifel ausfallen könnte.

Schauen wir uns die Reaktion der Polizei Hamburg an:

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Was hier versucht wird, ist mit einer Behauptung Authentizität herzustellen: »Ben gibt es wirklich«. Die Polizei Hamburg zeigt damit: Ihre PR-Abteilung ist bereit, ihre Glaubwürdigkeit zu riskieren in dieser Frage. Nur: Aktuell wird der Polizei vorgeworfen, Polizeigewalt zu ignorieren und zu vertuschen. Wer die Polizei so sieht, kann mit einem Verweis auf ihre Glaubwürdigkeit nicht überzeugt werden.

Authentizität entsteht so nicht. Was das Publikum wissen müsste:

  1. Woher weiß die Polizei, dass es »Ben« gibt?
  2. Wer ist »Ben« genau? Wie alt ist er, welche Schule besucht er, wie sieht er aus…
  3. Wie sieht der Umschlag aus?
  4. Wer hat sonst noch eine Karte von dieser Klasse bekommen?

Grundsätzlich bräuchte es ein Videodokument, in dem diese Fragen beantwortet werden. Dass »Ben« irgendwie geschützt werden müsste, ist kein Argument. Wer mit authentischen Dokumenten kommuniziert, muss abklären, ob alle Betroffenen einverstanden sind. In diesem Zusammenhang müssten auch Authentifizierungsstrategien geklärt werden. Wer nur die Erlaubnis hat, isolierte Dokumente zu publizieren – ohne Möglichkeit, sie in einen glaubwürdigen Kontext zu stellen – sollte sie nicht veröffentlichen.

tl;dr: Etwas zu zeigen – das reicht auf digitalen Plattformen nicht. Wer etwas zeigt, muss in Interaktionen auch belegen können, dass das Gezeigte wirklich dem entspricht, wofür es verkauft wird.

Bonus: Dejan hat einen anderen Blick auf den Tweet… 

15 Kommentare

  1. Anastasia sagt:

    Ich stimme Ihnen in allen Aspekten zu. Die Polizei kann nicht einfach ohne konkreten Beweis behaupten, dass Ben existiert, da deren Aussage nicht ausschlaggebend belegt und somit nicht glaubwürdig an die Öffentlichkeit weitergegeben wird. Ich als Nutzer der sozialen Medien werde schnell durch anderweitige Kommentare beeinflusst und kann somit nicht urteilen, was wahr und was falsch ist. Letztendlich traue ich nur den überzeugend belegten Aussagen, die meist nicht dem Hauptpost angehören.

  2. Kein Polzeienthuisiast1234 sagt:

    Ich muss schon sagen, dass die Polizei soetwas fälscht ist erschreckend und verstörend. Sie untergraben ihre eigene Autorität mit solchen Fehltritten.

  3. Layla sagt:

    Die Umsetzung und Effektivität ihres Lösungsvorschlages stellt sich als schwierig dar, da ein Video von Ben, in Bezug auf die Authentizität, genau so angezweifelt werden würde in einer solchen Situation wie es bei der Postkarte der Fall war. Aufgrund dessen das jeder Jugendliche sich als Ben ausgeben könnte,ist es nicht aussagekräftig. Außerdem wird die Anonymität von *Ben* so nicht mehr gegeben. Authentisch hin oder her es geht nicht darum sondern um die Massage die mit dieser Karte verbreitet werden sollte.

  4. Emil sagt:

    Warum sollte sich die Polzei den Aufwand machen und so einen Brief zu fälschen?? So gewinnbringend wäre der Brief für die Polizei auch nicht und der Ruf der Polizei würde sich auch nicht schlagartig ändern..

    1. Generalstab der Bundeswehr sagt:

      Die Frage hierbei ist, warum die Polizei sich den Aufwand macht, und solche Details retwittert? Hat sie etwas zu verlieren?

    2. Rathaus Spandau sagt:

      Warum schreibt man „heikle“ als „heigle“. Ist das nicht ein bisschen sus? @Polizei Hamburg

  5. Malcom sagt:

    Also sollten wir der Polizei nicht mehr vertrauen, da sie vielleicht fake publicity für sich selbst machen? Ist das denn Schlüssel zu gutem Zusammenleben?

  6. Cassandra sagt:

    Die Grundidee ist gut, jedoch wird nicht klar aus welchen Grund der Tweet überhaupt gepostet wird, was doch die viel wichtigere Frage ist.

    1. Cassandra sagt:

      Daraus schließen wir, dass die Polizei aus der damaligen Situation sich besser darstellen wollte. Außerdem wollte die Polizei zeigen, dass es auch Menschen gibt die an Sie und ihre Arbeit glauben und vertrauen.

      1. AfD Gegner sagt:

        Gibt es Ben denn jetzt oder nicht?

  7. Der Paulanergarten sagt:

    Hat Ben die Postkarte wirklich verfasst?

    1. Polizei Spandau sagt:

      Warum hängt sich die Polizei an solch kleinen Sachverhalten auf? Ist das nicht zu viel Detail?

    2. Feuerwehr Hamburg sagt:

      Nein, offensichtlich nicht

    3. Anonymous sagt:

      Ja hat er

      1. Anonymous sagt:

        Ich bin teils derselben Meinung, wer nicht die Authentizität einer Koversation, eines Videos etc. belegen kann, der sollte sich dreimal überlegen ob er es wirklich posten möchte.

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