Design-Thinking-Mentalität als Gelingensbedingung für Entwicklungsprozesse

Letzte Woche habe ich zwei Veranstaltungen besucht (und per Twitter mitgeschrieben): Einen Nachmittag mit Ted-Talks und Prämierungen bei Campus Seminar und eine Weiterbildung zu BYOD an meiner Schule, an der Kantonsschule Enge.

Dabei hat sich ein Gedanke kristallisiert: Digitale Transformation erfasst verschiedene Institutionen. Auch das Bildungssystem muss sich dazu verhalten, dass ein gesellschaftlicher Prozess abläuft, der verändert, was Wissen, Lernen und Bildung bedeuten. Dieses Verhalten kann auf verschiedene Weisen erfolgen:

  1. Infrastruktur verändern (Schulhausarchitektur, Geräte installieren etc.)
    Bsp.: BYOD oder 1:1-Ausstattung
  2. Prozesse mit Vorgaben steuern, z.B. auch über Software
    Bsp.: Schulleitung kommuniziert Entscheidungen nur noch über Teams; Noten müssen in ein Online-Tool eingegeben werden, auf das auch Eltern zugreifen können
  3. eine Vision entwickeln (wie soll an einer Schule in der Zukunft gelernt werden)
    Bsp.: Fachübergreifende Kurse entwickeln

Letzte Woche wurde mir bewusst, dass die Frage, auf welchem dieser drei Wege eine Institution eine Entwicklung angeht, ähnlich oberflächlich ist wie die Frage, ob Tablets oder Laptops für Schülerinnen oder Schüler besser geeignet sind: Das muss einfach mal entschieden werden, aber ausschlaggebend ist, was danach kommt.

Fundamental ist jedoch eine Haltung, eine Mentalität. Ich nenne sie Design-Thinking-Mentalität. Was sie bedeutet, lässt sich dem unten abgebildeten Zitat aus dem Vortrag von Leyla Acaroglu ableiten (das Zitat wird Buckminster-Fuller wohl nur zugeschrieben, mir ist rätselhaft, weshalb in Ted-Talks so oft Fake-Zitate vorkommen):

Bild

Die Haltung besteht also darin, grundsätzlich etwas Neues zu entwickeln. Design Thinking ist ein Prozess, der dieses Mindset formalisiert: Eine Organisation arbeitet nicht an Konzepten, sondern erprobt Entwürfe, die funktionieren könnten, aber meistens nicht funktionieren.

Schulen, Organisationen und Institutionen, die diese Haltung vertreten, halten sich nicht damit auf, zuerst einmal zu hinterfragen, ob eine Veränderung wirklich nötig ist, sie kritisieren nicht Vorgaben oder Zustände, sondern sie probieren etwas aus. Nicht unreflektiert oder unkritisch, aber im Bewusstsein, dass sich Gestaltungsraum nur vergrößert, wenn er genutzt wird.

Wenn ein Team so auf Herausforderungen reagiert (»Was können wir damit machen?«), dann kann jeder Zugang zu einem Entwicklungsprozess erfolgreich gestaltet werden. Ein starker Reflex, an etablierten Denk- und Arbeitsformen um jeden Preis festhalten zu wollen, gefährdet jeden Entwicklungsprozess. Egal wie er aufgezogen ist.

Rahel Tschopp hat eine Faustregel formuliert, die das verdeutlicht:

Je weniger ein Team bei Geräten ansetzt und je mehr es sich über Kultur unterhält, umso einfacher fällt alles.

Und Lisa Rosa hat diese Woche darauf hingewiesen, dass viele Systeme versuchen, »Digitalisierung ohne Paradigmenwechsel« zu gestalten. Dann fließt fast alle Energie im Prozess in die Frage, wie »Digitalisierung« so gestaltet werden kann, dass sie konform mit den bisherigen Verhaltensweisen umgesetzt werden kann. Das verhindert jede Evolution.

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