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Lehrveranstaltungen evaluieren: Von Fragebögen zu Lernprodukten

Gestern habe ich seit längerer Zeit mal wieder mit Andreas Sägesser geredet. Diese Gespräche sind intensiv: Ich bin immer so fasziniert von den Einsichten von »Sägi«, dass ich danach möglichst viel von dem, was er mir erzählt hat, festhalten möchte.

Andreas hilft Menschen, ihr Lernen zu verstehen. Mir hat er auch dabei geholfen. Das Problem, das ich mit ihm besprochen habe, war Folgendes:

Nach der Durchführung eines größeren Projekts (ca. 8 Monate Vorbereitung in einem Team mit 4 Personen) ist das direkte, persönliche Feedback sehr positiv, das über einen Fragebogen erhobene aber mittelmäßig bis kritisch. Der Fragebogen wurde direkt nach der letzten Veranstaltung verteilt und enthielt verschiedene Fragen – quantitative wie qualitative, geschlossene und offene.

Andreas hat mir zu zwei Einsichten auf unterschiedlichen Ebenen verholfen:

  1. Auf einer individuellen Ebene kann man Lernende eigentlich nur fragen:
    »Was hilft dir beim Lernen?«  – und dann noch:
    »Und warum?«
    Fragen danach, wie ihnen etwas gefallen hat, was sie kritisieren würden etc. lenken vom wesentlichen Prozess ab – nämlich dem Lernen.
  2. Auf einer systemischen Ebene ist mit einer Irritation des Systems zu rechnen, wenn es eine Entwicklung durchläuft oder ein Lernprozess einer Gruppe beginnt. Hier etwas messen oder vergleichen zu wollen, ist wenig sinnvoll, weil nur die Irritation gemessen wird, also ein Rauschen erfasst wird.
    Was sinnvoll ist, ist das Dokumentieren von Lernprodukten. Sichtbar machen, was die Lernenden während einer Veranstaltung gemacht haben.

Ich breche das mal runter auf ein Beispiel. Kürzlich habe ich eine Weiterbildung zu »Fake News« durchgeführt. Im Anschluss daran fand eine standardisierte Evaluation statt, aus der dann Zahlen wie diese resultierten:

Bildschirmfoto 2019-10-10 um 10.07.11.png

Gleichzeitig haben die Teilnehmenden aber auch eigene Unterrichtseinheiten entworfen und sie im Netz dokumentiert, z.B. hier oder hier. Das wäre eigentlich der Ausgangspunkt für eine Evaluation – gekoppelt mit der Frage danach, was die Teilnehmenden brauchen, um besser lernen zu können. Und mit einer längerfristigen Begleitung.

2 Comments

  1. Anonymous

    …. ich habe grad auch wieder an Max Woodtli gedacht …. er hätte gefragt: „Was hilft dir beim Lernen?“ – und dann „Was noch?“

  2. Anonymous

    Danke fürs Festhalten und verdichten – das wird so auch gleich wieder zu einer Ressource für mich!

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