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»ich hab den Kafka noch nie gemocht« – digitale Medien im Literaturunterricht

Im Modul Fachdidaktik III denke ich mit Studierenden in diesem Semester über Medien im Deutschunterricht nach. In Kerres Mediendidaktik findet sich in Kapitel 2 folgende Darstellung:

Bildschirmfoto 2018-09-24 um 17.39.10.png

Kerres benutzt sie, um zu zeigen, dass es keine spezifischen digitalen Kompetenzen gibt, sondern dass der Einsatz digitaler Technik vielmehr alle anderen Kompetenzbereiche (die horizontalen Pfeile) durchdringe.

Im Folgenden gehe ich nicht genauer auf dieser Argumentation ein, sondern führe einen Aspekt aus unserer Diskussion aus. Eine meiner Fragen an die Lerngruppe forderte einen Transfer dieser Sichtweise auf den Literaturunterricht mit einer Klasse im letzten Jahr des Gymnasiums, die gerade Kafka-Parabeln liest. Wie setzt man da nun digitale Technik ein?

Hier die Sammlung der Ergebnisse:

Bildschirmfoto 2018-09-24 um 17.46.06

Punkt b) ist für mich der spannendste Aspekt. In dieser Lernumgebung würden Schülerinnen und Schüler also neben Kafka auch Texte von Lernenden lesen, die sich im Netz über Kafka unterhalten. Sinnvollerweise würden sie diese dann auswerten, zusammenstellen und damit noch einmal auf den Text blicken. Sie würden so Kafka lesen wie auch das »Leiden an Kafka« oder die »Begeisterung an Kafka« im Netz.

Hier eine kleine Sammlung von Texten über die Parabel »Gib’s auf!« (»Ein Kommentar«, 1922):

buhu^^

kennt hier jemand die parabel gibs auf! von kafka? falls ja wie habt ihr das ding gedeutet? hab im unterricht so viele verschiedene deutungsansätze gehört dass ich mitlerweile keinen plan mehr hab was der typ mit dem zeuchs meint…
hilfe?!
dankeschö 🙂 – e-hausaufgaben.de

Die Antworten darauf…

Ich kenne die Parabel auch. – Im Fernsehen hab ich aber gehört, dass Kafkas Texte grundsätzlich mit der Selbstexegese befasst sind und dem Leser somit nicht die Möglichkeit einer hermeneutischen Auslegung gegeben wird.
In diesem Sinne viel Erfolg bei deinem unmöglichen Vorhaben 😉

kafka war mal mein lieblingsautor bis ich n referat über den halten musste XD

du ärmste! muss mich zu nach de ferien uch mit dem auseinandersetzen, ich glaub i muss dat sogar auch interpretieren, is dat son kurzer text? hab aba gar keine lust dazu! also dann viel erfolg! greetz eiskalterengel 🙂

ich hab kafka noch nie gemocht….schreibt alles immer so deprimierend……

hmm ich weiß auch nich recht -.-
ich dachte vielleicht, dass er damit irgendwelceh ziele im leben meint, die man eigentlich so gut wie nicht mehr erreichen kann…

auaha, der is ja krass, also aufs leben interpretiert weiß ich nu auch nich, muss nur die ünliche inhalt form wirkung [zensiert] machn… sry… 🙂

ich finde die texte von franz kafka zeimlich geil… macht bock die zulesen. ist nur manchmal etwas schwer zu interpretieren.

Ein zweites Beispiel von jemandem, der oder die Hilfe braucht – und in diesem Fall keine bekommt:

hat jemand von euch die parabel in der schule schon durchgenommen bzw. interpretiert ?

brauch ein bisschen hilfe beim haupteil, wo man den satzbau bestimmen muss.
mein problem ist das ich überhaupt kein plan hab von parataktischen oder elipsischen sätzen geschweige von überhaupt welchen grammatischen bezeichnungen.
jetzt hab ich das vergnügen über das wochenende eine interpretation über 6 seiten zu schreiben.

//…hat jemand vielleicht ’ne musterlösung ? nicht speziel für den fall, sondern überhaupt eine für eine interpretation. – Quelle

Neben solchen Fragen und Antwortversuchen finden sich aber schon ausgearbeitete Deutungsversuche, wie der hier von »Josie Lajr«:

Was mir an „Gibs auf!“ besonders auffiel
Es fällt auf, dass es scheinbar Leute geben soll, die mit ihrem Lachen allein sein wollen. Nach dem Motto „Lese sorgfältig, Eckhard, was mir so auffällt“ (Ja, Frau Lehrerin, Amen!), denn mir ist echt die Sache mit dem Lachen zuerst aufgefallen (aber das passte irgendwie nicht zum Brod-Titel und auch nicht zu unseren bisherigen „Ergebnissen“ der Analyse), dennoch finde ich meine Deutschlehrerin zumindest gut (der Trend geht höher), man kann sich so schön mit ihr fetzen (auch wenns manchmal frustet): Beim sorgfältigen Lesen des Textes fällt einem auf, dass der Schutzmann einen Fragenden duzt, und dass Leute, die lächeln und sich mit einem großen Schwunge abwenden, mit ihrem Lachen allein sein wollen. Zumindest meint dies der Ich-Erzähler zu erahnen.
Ich gebe es auf!
Jedenfalls ist das wichtigste Ergebnis der Analyse für mich gewesen, dass eine Mitschülerin uns darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Hauptperson von „Gibs auf!“ nicht geschlechtsspezifisch definiert ist, dass es sich also durchaus um eine Frau handeln könnte (alle anderen SchülerInnen, und ich mit, haben die Hauptperson als Mann „erkannt“, das Geschlecht in die Person hinein interpretiert, obwohl der Franz sicher auch einen Mann intendiert hat)…

Ricarda Freudenberg hat ähnliche Kommentare untersucht, die sich auf Verfilmungen im Netz beziehen. Digitale Technik führt also zu verschiedenen Gesprächsanlässen im Netz, die eine emotionale Kafka-Exegese parallel zum Unterricht ermöglichen.
Ein letztes Beispiel:

Schön kafkaesk gemacht! Zwar verstehe ich (wie meist bei Kafka) die eigentliche Aussage nicht wirklich, aber in erster Linie geht es bei Kafka ja auch mehr um die Stimmung, die Atmosphäre. Über die Aussage kannn man wahrscheinlich ewig nachdenken ohne am Ende wirklich zu wissen was Kafka damit sagen wollte, deswegen lass ich es lieber gleich ;). – Quelle

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