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Parallele Diskurse zur digitalen Bildung

Letzte Woche nahm ich an einer Tagung zur Digitalität und Digitalisierung im Deutschunterricht teil. Meinen Beitrag habe ich zusammen mit Axel Krommer als »Gedankenschach« gestaltet:

Im Laufe der Tagung wurde mir bewusst, dass es rund um Digitalisierung im Unterricht verschiedene Diskurse gibt, die nicht stark aufeinander bezogen sind.

Wie meine ich das? In der folgenden Grafik unterscheide ich sechs Diskursebenen. Alle beschäftigen sich mit Aspekten der Digitalisierung in dem doppelten Sinne, wie sie Dejan im oben zitierten Tweet formuliert hat.

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Grafik Philippe Wampfler, CC BY

Aufgrund von differenzierter Kritik an diesem Modell habe ich eine neue Version erstellt und die Darstellung geöffnet und erweitert:

Bildschirmfoto 2018-06-28 um 13.38.39

Grafik Philippe Wampfler, CC BY

Darauf habe ich einerseits die Pfeile entfernt, weil es primär darum geht, dass die Diskurse halt nur teilweise miteinander im Austausch stehen. Zudem habe ich versucht, dem Anspruch gerecht zu werden, digitale Bildung breiter zu denken als von Schulen aus. Das war im ersten Modell der Fokus.

Zur Bedeutung der Darstellung:

Während Schulen etwa nach Konzepten und Lösungen suchen, sind sie von der Bildungspolitik geleitet und stehen im Austausch mit der fachdidaktischen Forschung, die zumindest über die Ausbildung der Lehrkräfte starken Einfluss nimmt.

Diese Formen des Austausches und der Beeinflussung sind wichtig und ermöglichen zumindest, dass eine Wahrnehmung für die Sichtweisen und Probleme der anderen Ebene entstehen kann.

Doch sie fehlen zwischen entscheidenden Bereichen. Besonders die Diskussionen unter den Pionieren wird an Universitäten wenig rezipiert. (Das gilt auch in anderen Forschungsbereichen.) Ohne da zu werten bedeutet es, dass gewisse Diskussionen – Digitalisierung ist ein gutes Beispiel dafür – parallel zwischen anderen Akteuren in anderen Formen ablaufen. Auch zeitlich gibt es Verschiebungen.

Besonders gut erkennen kann man das an bestimmten Begrifflichkeiten: »Mehrwert« etwa ist ein Reizwort in Diskussionen über digitale Bildung. Aber nur in den Netzwerken der Pioniere – an Schulen oder Universitäten kann es ohne besondere Aufmerksamkeit weiterhin verwendet werden. Dasselbe gilt für »digital natives« – die empirische Bildungsforschung ist da etwa sehr skeptisch, aber an schulischen Weiterbildungen verwendet man den Begriff, ohne mit der Wimper zu zucken.

Auch der Bereich der Zivilgesellschaft zeigt krasse Brüche zwischen den Diskursen auf: Die Bewegungen zu OER und Open Government Data haben etwa Grundlagen erarbeitet, auf die sich andere Bereiche abstützen könnten. Das geschieht aber nur zögerlich: Einige Verwaltungen öffnen ihre Datensammlungen, einige Verlage publizieren OER-Lehrmittel – aber so einleuchtend der Sinn der Bewegung den daran beteiligten Akteurinnen und Akteuren ist, so viel Überzeugungsarbeit müssen sie immer noch leisten.

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Darstellung von Beat Doebeli, vgl. http://blog.doebe.li/Blog/DagstuhlDreieck

Es gäbe weitere Beispiele. Ingesamt ergibt sich einfach ein Bild von hoher Komplexität, zumal man das Dagstuhl-Dreieck noch dazu denken kann: Die drei hier gestellten Fragen – zu denen noch eine vierte treten müsste: Was hat das für eine Geschichte, wo kommt das her? – gibt es aus jeder der sechs Perspektiven, welche die Fragen unter einem spezifischen Gesichtspunkt anschaut:

  1. Schule: Und wie machen wir damit guten/funktionierenden Unterricht?
  2. Pioniere: Wie entwickeln wir die Schule hin zu innovativen Formen des digitalen Lernens?
  3. Digitalwirtschaft: Wie verdienen wir damit Geld?
  4. Wirtschaft: Wie lernen unsere Mitarbeiter*innen wirksam (damit wir damit Geld verdienen können)?
  5. Bildungsforschung: Was können wir an Effekten messen?
  6. Bildungspolitik: Woher kommen Ressourcen? Müssen Gesetze geändert werden?
  7. Fachdidaktik: Wie kommt damit ein bewusster Lerneffekt zustande?
  8. Zivilgesellschaft: Wie führt das zu mehr Partizipation und Bildungschancen in der ganzen Gesellschaft?

 

 

 

 

 

 

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