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Medienkompetenz und das Panini-Album

In den letzten Tagen habe ich mit Gruppen von Eltern über Erziehung und Digitalisierung gesprochen. »Medienkompetenz vermitteln« war ein Titelvorschlag, den ich übernommen habe – und dann zum Einstieg in die Abende sogleich zurückgewiesen habe: Medienkompetenz eignen sich Menschen an (wie jede Kompetenz). Sie wird nicht vermittelt.

Diese Aneignung ist aber im Medienbereich komplexer als bei anderen Kompetenzen: Wer schwimmen gelernt hat, kann schwimmen. Vielleicht ist der Stil nicht mehr ganz zeitgemäß – aber Wasser ändert sich nicht.

Medien ändern sich aber konstant. Das kann man an einem grundsätzlich nicht-digitalen Beispiel zeigen: Am Panini-Album. Mein erstes Album füllte ich an der WM 1986. Ich tauschte Klinsmann und Maradona, lernte, bei welchen Clubs die Spieler spielten und erhielt von den Großeltern ab und zu 10 Päckchen. Ich war 9. Auch in den folgenden Jahren füllte ich die Alben – man könnte denken, ich hätte das Medium Panini-Album kompetent bewältigt und wäre bereit, auch 2018 mitzuspielen.

Doch:

  1. Hat sich das Tauschen unter Kindern komplett verändert. Neue Praktiken und Regeln (Bilder werfen, blasen etc.) haben sich eingebürgert. Mpappé gegen Cavani tauschen geht nicht mehr überall gleich einfach.
  2. Die Preise sind unterschiedlich geworden: Panini kann keinen Einheitspreis mehr durchsetzen. Vergleichen ist angesagt, zudem lohnt es sich, vor Beginn der Sammlung zu überlegen, wie viel der Spaß insgesamt kostet (rund 900 Franken, wenn man nicht gut tauschen kann).
  3. Muss man einige der Bilder unter den Etiketten von Cola-Flaschen suchen, die kann man gar nicht kaufen. IMG_4868
  4. Gibt es in Deutschland die billigen Bilder ohne Goldrahmen, in der Schweiz die teuren mit. In Deutschland günstiger gekaufte Bilder kann man auf Schweizer Schulhöfen kaum für irgendwas benutzen.
  5. Einige Bilder haben einen QR-Code auf der Rückseite, mit der man in der Panini-App Bilder und Aktivitäten freischalten kann. Das Album hat also ein digitales Äquivalent, bei dem wiederum Päckchen gekauft werden können.

Bildschirmfoto 2018-04-05 um 09.29.37.png

Wie sich das Album verändert, verändern sich auch Computerspiele, soziale Netzwerke, Kommunikationsnormen ständig und schnell. Wer kompetent werden und bleiben will, hat einen permanenten Aufwand zu betreiben. IMG_4867

 

5 Comments

  1. markus

    1. Panini Bilder in Deutschland sind teurer geworden. 0,90euro gegen mittlere Preis 0,85 chf
    2. Coca-cola Stickers kann mann durch die Hotline bestellen. kein Kaufzwang.
    3. niemand zahlt 900 Franken für das Album

  2. Remo

    Noch ein Nachtrag: Insofern erstaunliche Kontinuität im Wandel bei Panini.

    Neulich unterhielt ich mich mit einem Briefmarkensammler (sammelte früher auch) und er sagte, daß das „immer mehr abnimmt“. Ich guckte auf Google-Trends nach und tatsächlich, die Suchvolumina nehmen stark ab. Womit auch der Preiszerfall zu erklären ist.

    Etwas, was die Post bei Briefmarken versäumt hat. Ich hab früher gesammelt und Briefmarken haben es definitiv nicht ins digitale Zeitalter geschafft, obwohl sie ja inzwischen auch digital sind.

    Aber die Post hat versäumt, hier einen Wandel zu vollziehen und jungen Sammlern moderne Alternativen zu bieten.

    Was einmal interessant wäre: Früher konnte man mit Briefmarkensammlungen Vermögen über Generationen und Weltkriege wahren. Was sind eigentlich heute alte Panini-Alben wert?

    • Panini-Alben haben einen gewissen Wert, aber nicht in der Höhe von Briefmarkensammlungen. Ist ein gutes Beispiel – ich habe auch gesammelt und wie aufgegeben, mein Sohn wollte kürzlich auch, aber hat (noch) keinen Zugang gefunden.

  3. Remo

    Zitat: „Wer kompetent werden und bleiben will, hat einen permanenten Aufwand zu betreiben.“

    Und wenn man bedenkt, was für einen enormen Zeitaufwand die Bewirtschaftung von FB, Twitter oder den jüngeren sozialen Medien bedeutet, dann kann man vestehen, wenn es Leute gibt, die sich da ganz zurückziehen. Oder daß es immer mehr vewaiste Profile gibt.

    Sogar ganze Plattformen verwaisen. Man nehme nur Mister Wong, StudiVZ oder die frühere Facebook“-Alternative MySpace.

    Wozu viel Energie in den Aufbau von solchen Profilen stecken, wenn es eh bald wieder irgendwas Neues gibt, dem man „kompetent“ Hinterherhecheln muß?

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