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sli.do – Erfahrungsbericht

Vorträge sind eine ambivalente Angelegenheit für mich. Ich referiere sehr gerne und mag es, an Präsentationen und Techniken zu feilen. Dazu habe ich recht oft Gelegenheit, weil das Vortragsformat bei vielen Veranstaltungen einen festen Platz hat.

Gleichzeitig widerspricht die Inaktivität der Zuhörenden meinen didaktischen Vorstellungen. Interaktivere Formate lassen die Settings mit meist rund 50-150 Zuhörerinnen und Zuhörern kaum zu.

Kann ein Tool hier Abhilfe verschaffen? sli.do verspricht das. Die Funktionalität ist zunächst minimalistisch. Die Anwesenden loggen sich auf sli.do mit einem kurzen Code ein, den ich jeweils auf ein Whiteboard schreibe.

Sie erhalten dann diese Ansicht:

Bildschirmfoto 2018-03-27 um 10.32.41

Die korrekten Voreinstellungen sind wichtig, hier leider nur 5 statt 10 Sterne vorgegeben. 

Damit können sie:

  1. An Umfragen teilnehmen, die ich vorformuliert habe.
  2. Selber Fragen stellen und die Fragen anderer mit einer Upvote unterstützen.

Ich habe schon verschiedene Umfragen verwendet. Hier sieht man als Ergebnis etwa eine Wordcloud, die automatisch durch die Eingaben der Zuhörerinnen und Zuhörer generiert wird (Folien unter phwa.ch/laufen).

Regelmäßig setze ich Umfragen auch für Stimmungsbilder zu Beginn und am Schluss eines Referats ein – die anonyme Teilnahme könnte hier eine Ausdrucksmöglichkeit für etwas darstellen, was sonst kaum Raum erhält.

img_4758-e1522140752952.jpeg

Das Fragenfeature kann mit Erwachsenen nur verwendet werden, wenn während des Referats genügend Pausen auftreten, in denen Fragen gestellt werden können. Etwas am Handy eingeben und zuhören ist für viele Nicht-Jugendliche eine Überforderung.

Bei Jugendlichen stellt sich ein anderes Problem: Pubertäre Ausfälle erhalten in einem anonymen Forum schnell viel Gewicht und verhindern ein konstruktives Diskussionsklima. Trage ich vor, während die Fragerunde läuft, bin ich nicht in der Lage zu moderieren.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Sli.do verändert das Vortragsformat nicht radikal. Es lässt aber zu, dass auch Fragen gehört werden, die durch die soziale Dynamik großer Veranstaltungen keinen Raum erhielten. Besonders das Abstimmungsfeature ist so intuitiv, dass vor der Q&A-Runde alle durchatmen und die Fragen sortieren können. So kann sicher gestellt werden, dass die relevanten Aspekte diskutiert werden.

Zudem erfüllt sli.do die grundlegenden Anforderungen an eine zeitgemäße Applikation:

  1. schnell, flüssig und intuitiv
  2. keine Installation
  3. keine persönliche Registration nötig für die Teilnahme

Weil die Gratisversion und drei Umfragen pro Veranstaltung erlaubt (Workaround: Veranstaltungscode einfach wechseln in der Mitte des Vortrags), habe ich nun eine Edu-Lizenz für 60 Dollar pro Jahr gekauft. Scheint mir als Preis fair für ein Produkt, das ich gerne weiter nutze und einsetze.

2 Comments

  1. Pingback: sli.do – Erfahrungsbericht | quisquilia

  2. „Gleichzeitig widerspricht die Inaktivität der Zuhörenden meinen didaktischen Vorstellungen.“
    Stünde der Vortrag den Teilnehmenden vorgängig zur Verfügung, könnten (müssten) sich diese darauf einlassen. Und der Vortrag wäre dann kein Vortrag mehr, sondern eine moderierte, interaktive Auseinandersetzung mit einem Problem.

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