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#digitalpositivity

Trends muss man ja im richtigen Moment erwischen. Das versuche ich hiermit mit einem satirischen Text.

* * *

Die Zeit der moralistischen Bedenken gegen digitale Kommunikation ist abgelaufen. #digitalpositivity bedeutet, mit Smartphones so umzugehen, wie man das früher mit Zeitungen und fest installierten Telefon gemacht hat: Man freut sich, wenn sie im Briefkasten liegen oder klingeln. Ohne Bedenken benutzt man sie. Wenn sie langweilen oder stören, findet man einen Umgang damit.

Wer #digitalpositivity lebt, fühlt sich nicht unausgeruht, wenn das Smartphone in der Nacht auf dem Nachttisch liegt. Auch die Benutzung von Twitter oder Facebook erleben diese Menschen nicht als permanenten Stress oder Streit: Sie können sich dort zurückziehen oder einbringen, wie es ihrem Empfinden entspricht. Mit starken Thesen und Auswertungen versehene »digital detox«-Programme liegen ihnen fern.

Kommunikation erleben sie wie Ernährung: Wer ausgewogene und gesunde Nahrung zu sich nimmt, muss nicht fasten. Genau so wie niemand die Zeitung mal einen Monat abbestellt hat oder den Telefonvertrag gekündigt.

#digitalpositivity nimmt die Moral aus der digitalen Kommunikation.

Bildschirmfoto 2018-03-12 um 09.19.03

3 Comments

  1. Pingback: Einsam im Digitalen? – Im Gegenteil! – subject.

  2. mstammeier

    Hey there,

    ich profitiere schon häufig sehr von Deinen Zeilen. Und auch hier, denke ich, triffst Du durchaus einen Nerv. Und mit der Deskription der #digitalpositivity beschreibst Du meines Erachtens auch vollkommen korrekt, in welchem Zustand sich der Nutzer von smart Devices befinden sollte. Gleichwohl: Der Weg scheint mir hier das Ziel (der Analyse sein zu müssen). Verzeih daher den folgenden Exkurs. Es sind nur ein paar geteilte Gedanken ;).

    Es ist korrekt: „Wer ausgewogene und gesunde Nahrung zu sich nimmt, muss nicht fasten.“ Im übrigen: Überhaupt niemand „muss“ fasten. Zudem: Auch der sich ausgewogen und gesund Ernährende „kann“ fasten. Vielleicht ist das nicht für seine körperliche Gesundheit notwendig. Vielleicht allerdings kann es seiner geistigen Gesundheit (abgesehen von allem rein Physischen) dienen. Das ist allerdings eine andere Kategorie.

    Häufig schon habe ich auf Twitter die „shitwinds“ („storm“ scheint mir hier überzogen) in Richtung einiger Warner wahrgenommen. Mir scheint es hier allerdings nicht ausschließlich ein moralischer Standpunkt zu sein, den Menschen beziehen, wenn sie auf die Gefahr von Smartphones für das Leben und die Entfaltung des Menschen eingehen. Vielmehr scheint es wissenschaftlich begründete Anzeichen zu geben, dass bei bestimmten psychologischen Konstellationen ein übermäßiger Smartphonekonsum von einem Menschen nicht mehr aktiv und gesund beherrschbar ist. Dies legen jedenfalls einige psychologische Erkenntnisse nahe. Dass das Smartphone im Leben eines Individuums aber einen Nutzenverlust stiftet, um es mal ökonomisch auszudrücken, sollten wir meines Erachtens nicht wollen.
    Ich plädiere daher – wie Du – dafür, dass ein vergiftendes Moralisieren gegen die Smartphonenutzung unterlassen werden sollte. Ebenso plädiere ich aber auch für einen gezügelten Beißreflex in Richtung der Warner aus dem Bereich der Neurowissenschaft und Psychologie – selbst wenn man sich für extrem digital kompetent hält. Beide Haltungen stellen für mich zu vermeidende Extreme dar. Wir benötigen beide Positionen, möchglichst nüchtern betrachtet, um einen ehrlichen (und damit nutzentheoretisch optimalen) Diskurs zu erzielen.
    Wenn #digitalpositivity also die Medienkompetenz bedeutet oder einschließt, angemessen bzgl. Zeit, Ort, Dauer und Intensität mit seinem Device umgehen zu können: Vollkommen d’accord!
    Für viele Menschen, mit denen ich zu tun habe (sie sind ja noch so jung) kann ich diese Medienkompetenz allerdings noch nicht fest- oder unterstellen und muss ihnen diese erst einmal ermöglichen (und damit meine ich natürlich auch den Hinweis auf die Gefahren).
    Für den einen (auf eine bestimmte Weise psychisch Disponierten) mag das bedeuten, sein Schlafzimmer zu einer Smartphone-freien Zone zu erklären bzw. erklären zu müssen. Vollkommen ok. Wäre es moralisierend, diese seine individuelle Position anzugreifen? Für den anderen mag es bedeuten, dass er sein iDevice unter das Kopfkissen legt, damit Health dort Schlafstrukturen aufzeichnen kann. Es ist das Leben des Einzelnen mit seinen Präferenzen und Bedürfnissen, deren Erfüllung ihm seinen subjektiv empfundenen Nutzen stiftet. Wir sollten diese beiden karikierten Individuen nur auf die Pros und Cons hinweisen, die mit dem jeweiligen Verhalten einher gehen könnten.
    So verkommen Überlegungen zum gelingenden Umgang mit smart devices nicht zum Moralisieren. Wer wollte das schon?

    • Danke für diese Rückmeldung. Völlig einverstanden – wie eingangs formuliert ist mein Text satirisch überhöht, dein Kommentar holt ihn in die Realität zurück!

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