Vier Social-Media-Typen in der Bildungscommunity

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Wie wir Social Media verwenden und wahrnehmen, hängt stark von unserer Persönlichkeit ab. Wer sich gerne mitteilt und darstellt, erhält ein großes Forum, wird aber von außen oft auch so wahrgenommen. Wer viele Informationen als privat einstuft, ist vom Oversharing vieler Personen nachhaltig irritiert.

Vier speziellen Persönlichkeitstypen ist dieser Beitrag gewidmet. Sie bewegen sich alle in der Bildungsbubble im Netz. Der Beitrag spitzt zu – er ist eine Kritik, ohne zu vergessen: Wir alle gehören zu einem Typ. Nur denken wir halt, unser sei jeweils der richtige.

Die Lurkerin sieht alles, hinterlässt aber keine Spuren. Beim Treffen auf der Weiterbildung zeigt die gut vorbereitete, leicht spitze Bemerkung aber, dass der Online-Diskurs nicht an ihr Vorbeigeht. Die Kommentarschlacht bei Facebook ist ihr genau so wenig entgangen wie die Kontroverse auf Twitter. Nur einmischen – das würde sie sich nie. Sie hat zwar eine klare Meinung, doch die gehört in Gespräch unter vier Augen. Auch mit Freunden von Freundinnen spricht sie gerne, wenn die Gelegenheit passt.

Ihre Haltung drückt eine gewisse Verachtung gegen Online-Kommunikation aus, die ihr aber gerade das Material liefert, um analoge Diskussionen zu führen. Ihre seriösen Vorarbeiten erschweren es aber Gesprächspartnerinnen und -partnern, gehaltvoll zu erwidern. So hallt das Urteil der Lurkerin dann lange nach. Das dürfte nicht unbeabsichtigt geschehen.

Der nicht-vernetzende Vernetzer ist meist ein Mann. Er ist beruflich erfolgreich, aber wäre gerne noch etwas erfolgreicher oder bekannter. Ihn sollte man zu Workshops oder für Vorträge einladen, findet er. Auch einem Buchprojekt wäre er nicht abgeneigt, hat er doch viele wichtige Ideen, für die er zuweilen ein #geheimprojekt ins Leben ruft. Seine Vorschläge kreisen oft um die neuen Arbeitsformen in den Neuen Medien. Vernetzung ist da ganz wichtig, findet er, Kollaboration und Kritik auch. Wer Social Media macht, ohne in den Dialog einzusteigen, habe gar nichts begriffen, sagt er bei jeder passenden Gelegenheit allen, die zuhören.

Schaut man genau hin, dann ist sein Bild von Vernetzung, von Kritik, Sharing und Dialog aber recht eindimensional. Der Typ, mit dem wir es zu tun haben, möchte gerne vernetzt werden – selber vernetzen mag er weniger. Er äußert Kritik, sitzt Kritik an eigenen Projekten aber entweder aus oder verlagert sie in private Gespräche, damit sie in sozialen Netzwerken für andere nicht sichtbar wird. Teilen tut er, wenn er sich davon was verspricht. Genau so stößt er selbst den Dialog an – tut es jemand anderes, wir der sonst so eifrige Vernetzer schnell still.

Ob er sein paradoxes Verhalten bemerkt, ist für Außenstehende nicht klar. Wenn er schroff wirkt, tut er das sicher mit einer pädagogischen Absicht. Schließlich müssten nur alle das tun, was er will – dann würde Kollaboration auch problemlos funktionieren.

Der Kritiker verpasst keine Debatte. Hat er wenig Zeit, hinterlässt er die passiv-aggressiven Likes, die andeuten, dass er mitliest und die Seite stärkt, welche an einem Projekt etwas auszusetzen. Mit mehr Zeit formuliert er seine Kritik recht ausführlich. Hart darf sie sein, weil sie ja fair und rational begründet ist. Emotionen blendet der Kritiker aus, sie tun nichts zur Sache.

Der Kritiker kennt alle Entgegnungen auf seine Kritik. Dass er selber mal etwas erarbeiten sollen ist für ihn genau so ein Ablenkungsmanöver wie die Forderung, doch auch einmal zu anerkennen, was andere leisten. Seine Maßstäbe sind nicht Fleiß oder praktische Kompromisse, sondern das klare Denken. Wer damit nicht zurechtkommt, soll die Schuld nicht ihm zuweisen, sondern die eigene Schwäche anerkennen.

Die Netzwerkerin kennt alle. Und alles. Wer mit wem wo ein neues Projekt am Laufen hat, wo eine Publikation entsteht und was in diesem Zusammenhang auch noch interessant wäre: Sie teilt es freundlich und konstruktiv mit. Und ist dabei diskret. Sich selbst nimmt sie oft raus – um sie geht es gar nicht, sie will anderen helfen, die Sache der digitalen Bildung voranzubringen. Sie lobt gern und schreibt Mails mit positivem Feedback. Sie kauf für Tagungen Blumen und Schokolade und gibt eine Liste rum, auf der sich alle eintragen können, die zum Thema in Kontakt bleiben möchten.

Für ihr Networking schätzen sie viele. Ihre eigene Arbeit wird dabei oft übersehen: Dass sie über ein Thema mehr weiß als die Person, der sie nach dem Applaus die Blumen und die Schokolade überreicht, ist zwar allen irgendwie klar: Aussprechen tut es aber niemand.

 

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The Author

philippe-wampfler.ch

3 Comments

  1. mir geht es ähnlich wie dem schulrat, aber nur leicht ähnlich. vielmehr bin ich aber etwas enttäuscht, dass mein typ nicht vorkommt.

  2. schulrat says

    Lieber Philippe, ich entdecke mich in jedem/jeder der Typen in Anteilen wieder. Zudem drängt sich mir eine Frage auf: Gibt es vielleicht auch nette, sympathische und ehrliche Typen, oder ist das in Social Media ausgeschlossen? LG Thomas Mann

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