Instagram-#beichten und ihre medienpädagogische Begleitung

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Unter dem Hashtag #beichte zirkulieren auf Instagram Bilder wie die unten stehenden: Schülerinnen und Schüler erzählen anonym von Geheimnissen.

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Wie sollte man medienpädagogisch mit dem Phänomen umgehen?

Günter Steppich wählt dafür folgenden Ansatz:

  1. Die Praxis wird primär als Cybermobbing geframt, also als illegal und moralisch verwerflich.
  2. Die Betreiber*innen solche Seiten werden aufgeklärt, indem ihnen die Gesetzeslage sowie die technischen Möglichkeiten zur Aufhebung der Anonymität bewusst gemacht werden.

Liest man die beiden Texte von Steppich wird deutlich: Seinen medienpädagogischen Vorstellungen zufolge dürfte es solche Beichtposts nicht geben.

Warum eigentlich nicht? Oder genauer: Wie kommt es eigentlich dazu, dass Jugendliche solche Beiträge veröffentlichen, kuratieren oder gar erfinden? Was sind systemische Effekte, die dazu führen, dass solche Kanäle immer wieder Aufmerksamkeit erzeugen?

Ansätze einer Antwort:

  • Es handelt sich um eine Entwicklungsphase, die so dokumentiert wird. Die Unsicherheit, was anerkannt oder legitim ist, drückt sich so aus – es wird möglich, Resonanz zu erzeugen, ohne selbst für das eigene Verhalten die Konsequenzen tragen zu müssen.
  • Das System Schule schafft Zwänge, die nur anonym umgangen werden können, weil der Preis an den Schule dafür sonst zu hoch wäre.
  • Das Thema der Geheimnisse ist ein Treiber für Fiktion: Es ist ein ideales Umfeld, um sich eigene Geschichten und Übertretungen ausdenken zu können.

Nun: All das legitimiert keine Übergriffe, keine Bloßstellung einzelner Personen. Doch wie groß ist dieser Effekt und wie groß sind andere damit verbundene Effekte? Was geht in den Kindern und Jugendlichen vor, die Instagram so nutzen? Was belastet sie, was entlastet sie?

Solche Fragen scheinen mir wichtiger als die technische Speicherung von IP-Adressen und die juristische Verfolgung von Minderjährigen. Aber auch die Medienpädagogik unterliegt wohl den Beschränkungen des Systems.

Bildschirmfoto 2017-03-27 um 13.19.45

The Author

philippe-wampfler.ch

1 Kommentar

  1. Anonymous says

    Hallo,
    ich denke, dass Sie Herrn Steppich grundsätzlich falsch verstehen! Ihn geht es keineswegs um das Thema #Beichten an sich, er rät nur zur Vorsicht, was
    a) die Preisgabe von persönlichen Daten angeht (da diese leicht zum Mobbing mißbraucht werden können) und
    b) die Rechte Anderer angeht. Er weist zu Recht darauf hin, dass es rechtliche Regelungen gibt, die uns vor Verleumdung, Bedrohung, übler Nachrede etc. schützen sollen.

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