Digitale Frenemies

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Vor einigen Jahren hat mit Ann Friedmans »Disapproval Matrix« auf den ersten Blick überzeugt: Sie erweis sich als einfache Kategorisierung von Online-Beziehungen, als eine einfache Umgehung des Begriffs »Troll«, der ähnlich wie »Verschwörungstheorie« kaum noch sachlich als Definition verwendet werden konnte, geschweige denn in einem kreativ-schillernden Sinne (Verschwörungstheorien sind keine saubere Wissenschaft, haben aber dennoch eine wichtige gesellschaftliche Funktion – genau so wie Trolle kaum nette Menschen sind, aber für Institutionen, Individuen und Gruppen Wichtiges leisten, vgl. meinen Essay zu Trollen und Schule). download-1

Nach mehrjähriger Erfahrung als im Netz aktive Person scheint es mir besonders der »Frenemies«-Quadrant zu sein, der etwas genauer aufgeschlüsselt werden müsste. Das heißt nicht, dass das nicht überall der Fall wäre – auch »Hater« zerfallen etwa in unterschiedlichste Unterkategorien.

Friedman ordnet Frenemies (Kofferwort aus »friend« und »enemy«) den Polen »knows you« und »irrational« zu. Passt die erste Zuschreibung auf jeden Fall, so ist das irrationale Verhalten oft nur eine nicht transparente Absicht. Was die intensiven »Frenemies« antreibt, ist den Betroffenen oft unklar.

Entsprechend würde die Beschreibung »gives a fuck about you«, die bei den Lovers steht, auf eine Untergruppe der Frenemies gut passen – also nicht die Kleinkinder, Vorgesetzten oder Mitarbeitenden, welche aus logistischen Gründen mit einem zu tun haben, sondern die digitalen Begleiterinnen und Begleiter, die sich im Netz gut eine andere Nische suchen könnten, aber das offenbar nicht wollen. Sie kennen einen nicht nur, sondern legen darauf viel Gewicht. Sie geben sich oft als Kritikerinnen und Kritiker, denen es nur um die Sache gehe – doch dieselbe Sache lässt sie bei anderen Personen kalt. Besonders aktiviert werden sie, wenn Aufmerksamkeit verteilt wird – es scheint, als seien sie daran besonders interessiert, als müsste die Aufmerksamkeit ihnen zukommen, weil sie besser Bescheid wissen und alle hinterfragen können, was man selbst produziert.

Sie sind keine Trolle, weil ihre Identität meist bekannt ist und ihre Äußerungen selten reine Provokation sind – aber es gleich schwer, mit ihnen umzugehen: Weil sie permanent Diskussionen bestimmen und verzerren, nehmen sie zu viel Raum ein. Ignorieren hilft deshalb nichts, ob technische Maßnahmen wie Filter oder Blocks etwas nützen, hängt von ihrer Reaktion darauf ab.

Die digitalen Frenemies fallen dem digitalen Umfeld schnell auf, sie wirken auf Nicht-Eingeweihte wie Bekannte, Mitarbeitende, die sich in bestimmte Themen festgebissen haben.

 

The Author

philippe-wampfler.ch

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