Quellennachweise 2016

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Bei schriftlichen Arbeiten oder Vorträgen tauch immer wieder die Frage auf, wie den Quellen korrekt anzugeben seien. Dabei tritt zunehmend ein Problem auf: Man tut so, als wäre das Internet eine Sammlung von Büchern und als seien die Verweisformate, mit denen man auf Print verweist, auch für Webseiten geeignet.

Doch: »Das Internet ist keine Bibliothek«, heißt es in einer Fußnote in Felix Stalders »Kultur der Digitalität«. Wer schon mal Folien gesehen hat, auf denen umtriebige und verantwortungsvolle Referierende mit kleinster Schrift Quellenangaben notiert haben, wird das bemerkt haben: Entweder brauchen Folien große QR-Codes, die vom Publikum aufgerufen werden können, oder sie greifen digitale auf die Folien zu und klicken die Links an – lange URLs brauchen sie in keinem Fall.

Grundsätzlich sind es drei Probleme, welche die Verweisformen der Buchkultur im digitalen Raum eröffnet haben:

  1. URLs sind oft sehr lang und kaum fehlerfrei abzutippen.
  2. URL-Adressen sind instabil, sie ändern sich.
  3. Web-Inhalte werden meist über Suchanfragen angesteuert.

Deshalb gibt es zwei Lösungen, die auch Kathrin Passig im Techniktagebuch beschreibt:

Man kann erstens darauf vertrauen, dass Leserinnen und Leser entscheidende Stichwörter für Suchabfragen verwenden und sich deshalb auf diese Stichwörter beschränken (z.B. reicht »der Wikipedia-Artikel zu Volksheilkunde« als Quellenangabe).

Zweitens kann man Publikationen digital begleiten: Mein Lieblingspodcast »Reply All« hat eine Rubrik »Yes Yes No«, in der komplizierte Tweets erklärt werden, für die man Meme-Hintergrundwissen braucht. Die dazugehörigen Tweets sind in einem Tumblr-Blog versammelt und können beim Hören angeschaut werden. Genau so können Links zu Präsentationen und längeren Arbeiten auf einer Miniseite gesammelt werden, wo sie klickbar sind.

image1.JPG

Die erste Fußnote von Stalders »Kultur der Digitalität«. 

 

The Author

philippe-wampfler.ch

5 Comments

  1. Pingback: Quellennachweise | digithek blog

  2. Kurze Anmerkungen:

    1. „z.B. reicht »der Wikipedia-Artikel zu Volksheilkunde« als Quellenangabe“ – bei Plattformen wie Wikipedia, die eine Versionierung/Artikel-Historie bieten, wäre für mich der letzte Abruf der Quelle mit Datum und Uhrzeit wichtig, um zumindest diesen Versionierungaspekt von Inhalten mit einzubeziehen (wird im wissenschaftlichen Kontext teilweise für Online-Quellen jedweder Art gefordert – über die Sinnhaftigkeit könnte man streiten, mache ich jetzt nicht ;-))

    2. Shortlinks wie bit.ly wären ja ebenfalls eine Möglichkeit zum schnellen Abtippen, falls der Inhalt zeitnah abgerufen wird (Kritik: Wenn der Shortlink-Dienst allerdings „stirbt“, stirbt auch der Link – also an sich müsste man so einen Dienst selbst betreiben, technisch einfach, aber dann muss man selber für die Wartung sorgen).
    Wenig bekannt sind auch Ansätze wie DOI: https://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Object_Identifier (hier kann das Ziel der DOI nachträglich immer wieder angepasst werden, falls sich bspw. URLs ändern – über https://dx.doi.org/ kann die jeweilige DOI aufgelöst werden)
    Heißt: Mit dem DOI-Konzept kann ich Identifizierer vergeben und diese ständig anpassen.

    Da müsste man generell für Printpublikationen mal drüber nachdenken – denn jeden Link den man in einen Text packt, ist ja ab dem Druck „verloren“ bzw. nicht mehr kontrollierbar. Eigentlich sehe ich da Verlage als federführende Kraft, um einen Shortlink-Service oder ein DOI-ähnliches-System für ihre Werke und Autor*innen zu betreiben? (Für jedes Printwerk eine eigene Webseite / einen eigenen Shortlink-Dienst ist vielleicht etwas too much?)
    Technisch wäre dann eine Benachrichtigung ebenfalls sehr leicht möglich, falls URLs nicht mehr erreichbar sind.

  3. Wowowow, wenn ich das meinen lieben Kollegen so weiterleit, hagelts „Schimpfis“! Schliesslich müssen unsere Lernenden in BFA, V&V und wie all die Semesterarbeiten heissen unbedingt ausführliche Quellen angeben – ansonsten gibt’s heftige Abzüge. Und wir lernen wie das in Word geht, wie korrekt zitiert wird (Deutschunterricht) etc. Verstehe Deine Argumente auf jeden Fall – doch wie können/dürfen/sollen wir unsere Lehre anpassen? Die Fussnote übernehme ich jedoch gerne – und Dein Post kommt in meine Evernote-Sammlung – das merk ich mir!

    • Ich lebe ja auch in dieser Welt – ich denke, man könnte hier mal einen Reality-Check machen: Der Sinn von Quellenangaben ist, dass man diese Quellen tatsächlich auch aufruft und nachliest. Wie tun denn diese Kolleginnen und Kollegen das, die Abzüge verteilen? Was machen sie mit langen URLs, wie helfen ihnen denn die bibliographischen Angaben zu Verlagsort etc. beim Auffinden einer Quelle?
      Kurz: Was ist der Sinn dieser Kulturtechnik – wäre er nicht ausschlaggebend dafür, wie sie einzusetzen ist?

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