Warum ich WhatsApp nicht lösche

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(Rivva-Link) Ich schreibe diesen Text auch, um die Diskussionen, die ich der medienpädagogischen Sphäre gefühlt jeden zweiten Tag führe, für den Moment abzuschließen. Aber auch, um meine Haltung zu begründen, die wohl die vieler Menschen ist.

Beat Döbeli hat überzeugend dargelegt, was für die Löschung von WhatsApp-Konten spricht:

  1. Die an Facebook weitergegebenen Telefonnummern sind persönliche Daten von hohem Wert: Sie sind dauerhaft an Personen gebunden.
  2. Es geht nicht nur um meine Daten, die weitergegeben werden, sondern um die Dritter: Der Personen, die in meinen Kontakten verzeichnet sind.
  3. Es gibt Alternativen, die besser designt sind: Sie speichern so wenige Daten wie möglich und können so auch bei Übernahmen oder bei behördlicher Anordnung nur wenige Daten herausgeben, weil sie kaum welche haben.
  4. Mit der Verwendung von Alternativen wie Threema oder Signal durchbricht man ein Quasi-Monopol von Facebook und sorgt für Vielfalt im digitalen Angebot.

Als Experte – nicht für Datenschutz, sondern für die Anwendung von digitalen Medien in der Bildung, notabene – geht von mir eine Signalwirkung aus: Wenn ich mich Beat Döbeli anschließe, verstärkt sich die Botschaft. Ich bin eine Art Vorbild. Auch das könnte als Argument hinzugefügt werden.

Weshalb also lösche ich WhatsApp nicht?

  1. Ich möchte den Jugendlichen und den Studierenden, die ich pädagogisch begleite, zuhören können. Das bedeutet, dass meine Kommunikationsschwellen so tief wie möglich sind: Ich will erreichbar sein, um an pädagogischen Gesprächen teilnehmen zu können. Das bedeutet für mich, dass ich nicht anderen die Kanäle diktiere, sondern ihre Kanalwahl respektiere. Threema und Signal habe ich eingerichtet und höre auch dort zu. Bei künftigen Aufgaben als Klassenlehrer werde ich auch anregen, die Klassenchats dorthin zu verlagern – im Moment laufen sie aber bei WhatsApp.
  2. Kommunikation hat eine technische, eine ethische und eine soziale Seite. Döbeli schreibt, er »handle [sich] kurzfristig Probleme ein«. Konkret: Er wird bei den sozialen Aktivitäten, die über WhatsApp koordiniert werden, entweder nicht mehr informiert oder zwingt andere Kommunikationsteilnehmer:innen, seine Entscheidung nachzuvollziehen. Mit gutem Grund zwar: Gleichwohl ist aber eine solche Entscheidung nur Privilegierten möglich, die davon ausgehen können, den sozialen Preis zahlen zu können. Was als eine (informations-)ethisch klare Entscheidung daherkommt – ich darf keine Daten von Dritten ungefragt weitergeben -, hat ethisch zweifelhafte Konsequenzen: Darf ich denn anderen vorschreiben, wie sie kommunizieren sollen?
  3. Ich halte Datenschutz für einen Symboldiskurs. Wir haben die Kontrolle über unsere Daten verloren. Wir sprechen davon, die Daten würden uns »gehören«, sie seien irgendwie wie »Erdöl«, nämlich knapp, wichtig und wertvoll – aber mit all diesen Metaphern erfassen wir nicht, was wirklich passiert: Daten entstehen in komplexen Beziehungen, an denen meist mehrere Personen und Plattformen beteiligt sind. Nehmen wir nur die Telefonnummer: Sie wird von einem Unternehmen aus einem Netzwerk an mich vergeben und hat keinen Wert, wenn sie niemand kennt. Zu sagen, sie gehöre mir, ist so richtig wie es falsch ist – sie »gehört« teilweise auch dem Anbieter der Infrastruktur, dem Unternehmen, die sie rausgibt, und den Personen, die sie benutzen.
    Wenn nun einfache Entscheidungen wie der Verzicht auf WhatsApp herangezogen werden, um scheinbar klare Linien zu ziehen zwischen gutem und schlechtem Verhalten, zwischen Datensparsamkeit und Datensammeln, zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, dann hat das symbolischen Wert: Die Telefonnummern werden immer noch an vielen Orten gespeichert, sie gelangen über andere Wege zu Facebook und den Unternehmen, die daran interessiert sind.

Klar kann man sagen, selbst könne man das Problem vielleicht nicht lösen, man müsse aber dazu beitragen, dass es sich nicht vergrößere. Diese Haltung respektiere ich, ich nehme sie aber nicht ein: Ich bin in Bezug auf Datenschutz und die dazugehörige Technologie ein Laie, ein Anwender. Das bedeutet: Ich kann nicht beurteilen, welche App was mit meinen Daten macht. Was passiert mit meinen auf einem iPhone gespeicherten Daten? Was mit meinen E-Mails? Solche Fragen häufen sich. Würde ich wirklich nicht dazu beitragen wollen, dass sich das Problem vergrößert, dann müsste ich zurück zur analogen Kontaktliste, auf digitale Kommunikation ganz verzichten.

Der Verzicht auf WhatsApp heißt so also:

Schaut, ich kann mir diese vorbildliche ethische Haltung leisten. Meine Gründe dafür sind solide, aber sie führen nicht dazu, dass ich ihnen mein Handeln komplett unterordne – weil ich den Preis an vielen anderen Orten nicht zahlen kann.

Meiner Meinung nach gibt es nur politische Mittel im Kampf um einen ethischen Umgang mit Daten. Die Verantwortung an Individuen abzugeben, führt zu Schuldgefühlen und Überforderung – nicht zu Lösungen.

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The Author

philippe-wampfler.ch

31 Comments

  1. Pingback: Der Data Breakthrough - Du und die Medienpädagogik in der digitalen Krise? (v0.1) - Matthias Andrasch

  2. Ich habe sowohl das Konto, als auch die App gelöscht. Und um es gleich zu sagen: Nicht wegen des Datenschutzes. Denn ich konnte und könnte auch weiterhin damit leben, dass meine Telefonnummer übertragen wird.
    Der Grund für die Entscheidung, Whatsapp nicht mehr zu nutzen ist ein anderer. Mit den neuen AGB wälzt Whatsapp/Facebook das rechtliche Risiko eines Verstoßes gegen den Datenschutz vollständig auf die einzelnen Nutzer ab.

    Auszug aus den Whatsapp AGB:
    Adressbuch. Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können.

    Noch ein Auszug aus den Whatsapp AGB:
    Freistellung
    Du stimmst zu, die WhatsApp-Parteien gegenüber sämtlichen Haftungen, Schäden, Verlusten und Aufwendungen jeglicher Art (einschließlich angemessener Anwaltshonorare und Rechtskosten), die in Bezug zu einem der folgenden Punkte stehen, sich dadurch oder auf irgendeine Art in Verbindung damit ergeben, klag- und schadlos zu halten und zu verteidigen: (a) Dein Zugriff auf unsere Dienste bzw. deren Nutzung, einschließlich im Zusammenhang damit zur Verfügung gestellte Informationen; (b) dein Verstoß bzw. angeblicher Verstoß gegen unsere Bedingungen; bzw. (c) jedwede durch dich getätigte Falschdarstellung. Du wirst in dem von uns geforderten Umfang an der Verteidigung bzw. Klärung eines jedweden Anspruchs mitwirken.

    Sprich: Ihr habt WA bestätigt, dass ihr authorisiert seid, jede Nummer im Adressbuch zu übertragen. Das ist in den meisten Fällen eine Lüge. Sollte jetzt also jemand klagen, dann kann WA – dem hast Du ja zugestimmt – von Dir Schadenersatz verlangen. Lustig, nicht?

    So – für mich ist das – und nur das – Grund genug dem Verein den Rücken zu kehren.

  3. Alternativen sind kein Problem says

    Hier wird angeführt das man niemanden dazu zwingen sollte zu einem anderen Dienst zu wechseln.

    Dabei ist das garnicht nötig.
    Ich selbst nutze http://www.threema.ch und http://www.kontalk.org
    Und alle Leute denen ich wichtig bin haben einen der beiden Alternativmessenger einfach parallel zu WhatsApp installiert.
    Ich kann also weiterhin mit allen wichtigen Leuten kommunizieren ohne selbst WhatsApp nutzen zu müssen.

    Genau so könntest du es auch machen.
    Solltest du auf WhatsApp verzichten wollen (Vorbildfunktion) können deine Schüler untereinander weiterhin via WhatsApp kommunizieren. Und wer den Austausch mit dir wünscht (und nur der/diejenige) kann z.B. Threema parallel zu WhatsApp installieren.
    Und dann könntet ihr absolut Datenschutzkonform miteinander Chatten.

    Wenn dir die digitale Kommunikation mit deinen Schülern sooo wichtig ist wie du behauptest kannst du sogar einen zweiten oder dritten datenschutzkonformen Messenger installieren. Damit errreichst dann wirklich jeden der es will.
    Moderne Smartphones geben das her.

    „ALLE HABEN WHATSAPP“ IST NUR EINE AUSREDE FÜR „MIR IST DATENSCHUTZ EGAL“

    • Anonymous says

      Du hast leider den Text nicht verstanden…bzw. die Argumente. Wenn zum Beispiel eine Gruppe Jugendlicher aus meinem JZ eine WhatsApp Gruppe hat, kann ich daran nut teilhaben, wenn ich auch WA nutze oder aber ALLE Jugendlichen einen zweiten Messenger installieren…

  4. Was mich bei Diensten wie WhatsApp/Facebook tatsächlich beunruhigt ist die Tatsache das dieser Konzern mehr und mehr die globale Kommunikation kontrolliert.
    Facebook filtert jetzt schon ganz massiv die Nachrichten indem Algorithmen die Kommunikation von Facebooknutzern analysieren.

    Ich denke als Lehrer hat msn die Pflicht diese Gefahr zu thematisieren anstatt sich der Bequemlichkeit zu unterwerfen.

  5. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 40 in 2016 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2016

  6. „Meiner Meinung nach gibt es nur politische Mittel im Kampf um einen ethischen Umgang mit Daten. Die Verantwortung an Individuen abzugeben, führt zu Schuldgefühlen und Überforderung – nicht zu Lösungen.“

    Was ist die Politik bzw. die politischen Mittel? Wer hat diese Verantwortung zu tragen? Sind das nicht die Individuen? Sind das nicht wir und auch ich?
    Ich sehe ein grosses Problem darin, dass sehr viele von uns in dieser sehr komplexen Materie nicht das nötige Fachwissen haben, die Zusammenhänge verstehen und bewerten zu können und daraus resultierend zu handeln. Da stimme ich mit Ihnen überein, das führt zu Überforderung.

    • Für mich ist die politische Ebene etwas anderes als die Bewertung und Beurteilung individueller Handlungen – es geht darum, kollektive Macht auszuüben, nicht individuelle.

  7. Aha. Experte für Medien in der Bildung aber Laie in Bezug auf Datenschutz.
    Gibts da keine Kompatibilitätsprobleme?
    Sorry. Aber Socialmedia juhui – Datenschutz egal, geht meiner Ansicht nach nicht. Das ist verantwortungslos.
    Das ist ja wie wenn ich sagen würde, „Ich bin Experte für Energie. Alles super. Braucht so viel davon Ihr könnt. Atommüll? Ist doch nicht mein Problem.“
    Hallo? Sich nicht um die Konsequenzen seiner Handlungen zu kümmern halte ich für rücksichtslos, egoistisch und feige.
    Tut mir leid, aber als sogenannter ‚Experte‘ kann ich Sie damit nicht mehr ernst nehmen. Sie haben sich damit selbst disqualifiziert….

    • Ich wäre der Letzte, der sich für phw wehren würde – das kann er sehr gut selbst. Auch du unterliegst der Versuchung, einfach alle Daten in einen Kübel zu schmeissen. In der Bildung werden Informationen produziert, geteilt und reflektiert, die absolut unsensibel sind. Oder sind die Aufgabe (4+4), deren Lösung (7) und deren Beurteilung (falsch) sensible Daten?

      In der Bildung werden auch Daten verwaltet. Sie werden meist als sensibel deklariert. Sie haben aber rein gar nichts mit Bildung zu tun. Auch ich habe mich als Lehrer nie um den Schutz dieser allenfalls sensiblen Daten gekümmert – weil sie eben mit Bildung und meinem Unterricht nie etwas zu tun hatten.

      Selbstverständlich müssen sensible Daten bestens geschützt werden – einfach nicht von mir. Weil das nie meine Aufgabe war.

      • Sorry. Aber das war gestern.
        Im Zeitalter von BYOD sieht das dann halt leider doch etwas anders aus.
        Ich habe mein Gerät mit meinen Daten dabei.
        Da ist alles drauf. Auch das Private.
        Und nicht nur die Word und Excel-Dateien meiner Student:innen.
        Die klare Trennung zwischen Schulzimmer und meinen Daten ist da nicht mehr überall eindeutig möglich…

    • neleb says

      *like*

      typisch lehrer eben.
      schön wie sich hier die vorurteile wieder mal bestätigen. 😉

    • Ich kann zu ihrem Urteil nicht viel sagen – aber die Aussage ich würde »alles super, braucht so viel davon ihr könnt« sagen, ist unfair und trifft meine Position nicht.

  8. Patrick89bvb says

    Hallo Philippe,

    deinen Beitrag hinterlässt einen sehr faden Beigeschmack.

    Zu einem gebe ich dir Recht, „Whatsapp löschen, weil XY Besser/Schlechter ist“ ist kein Argument. Womit eher die Bewusstsein von Datenschutz gar nicht beachtet wird und auch technische Dienste nicht im vollen Umfang genutzt werden können.

    Medienkomptenz muss gerade in der Schule gefordert werden, je früher, je selbstbewusste kommt die Generation besser mit aktuellere Technik und etischen Fragen verarbeiten. Gerade eine Generalisierung eines Angebot (z.B. Lobby-Arbeit?) fordert wirtschaftlichen Interessen, anstatt Generationen auf Vielfalt und Angeboten zu schulen.

    Anders gefragt, warum wird Physik, Chemie, Religion oder Sport gelernt, wenn es später im Alltag und für späteten Lebenserfahrung nicht genutzt oder benötigt wird? Ihre Arugment zu Punkt 1, 2 und 3 ist eine Bequeamlichkeit. (Meine Meinung)

    Ein andere Aspekt, dafür müssen wir Datenschutz in Betracht ziehen. Die rechtlinien Konsequenzen durch fehlender Datenschutz-Sensibilität ist einen Gefahr der Nutzer. Nehmen wir ihr Punkte als Beispiel:
    1. Es werden personenbezogenen politisch kritischen Themen diskutiert, in dem persönliche Entwicklung eines Kindes gefordert und Fragen/Antworten in der Öffentlichkeit gestellt werden? Meinen Sie, dieses Kind wird 10-20 Jahre später im privat oder geschäftlichen Leben, sich dafür bedanken? Wenn dieser keine Stelle bekommt, weil eine vergangene Aussage durch einen Veröffentlichung.
    2. Fragen Sie Kunden, ihren Arbeitgeber, poltischverfolgten Personen ob Sie tatsächlich ihren Kontaktadressen weitergeben dürften, womit Sie keine Kontrolle über die Verbreitung haben?
    3. Hierzu würde ich auf die Liste folgende Website verlinken: http://www.projekt-datenschutz.de/datenschutzvorfaelle.
    Wegen fehlender Datenschutz-Sensibilität werden Straftaten begangen.

    Und zum guten Schluss, wir haben die Freiheit auf Vielfalt. Jeder hat nach unseren Menschen/Grundrecht das Recht auf Privatsphäre, Anonymität und Schutz vor jedliche Verfolgung.
    https://www.amnesty.de/alle-30-artikel-der-allgemeinen-erklaerung-der-menschenrechte

    Man kann alles egal sein, muss aber nicht und darf sich hinterher nicht beschweren. 🙂

    Viele Grüße,
    Patrick

    PS: Ich entschuldige meine mögliche grammatische Fehler. Mehrmaligen Durchlesen als Legasteniker sind Fehlerkorretur leider schwer. 0:)

    • Im Unterschied zu Physik, Chemie, Religion oder Sport wird das Digitale an den Schulen nicht gelehrt – einfach darum, weils die LehrerInnen schlicht nicht können. So besuchen sie halt mit ihren Klassen die wunderbar eingerichteten Computerräume und lassen die SchülerInnen Worddokumente schreiben und Exceltabellen füllen und …

    • Danke für den Beitrag – nur kurz zum Fragen: Wenn mir jemand Kontaktangaben gibt, muss man damit rechnen, dass die auf einem Smartphone verarbeitet werden und so im Netz sind. Das ist mein Punkt: Würde man hier konsequent vorgehen wollen, was aus den von dir genannten Gründen einleuchtend wäre, dann müsste man viel radikaler argumentieren und vorgehen. Hier geht es ja um Smartphone mit ohne WhatsApp – und meine Aussage ist: Diese Entscheidungen sind eigentlich gleichwertig, in Bezug auf die ethischen Fragen.

  9. Beate Heindl says

    @ philippe wampfler
    Vielen Dank für ein bisschen Erleichterung für mein schlechtes Gewissen. Nun kann ich etwas mehr die Tatsache genießen, dass meine Tochter mir viel mehr erzählt, ich wieder mehr an ihrem Leben teilnehmen daraus zu den Zeiten als ich mich aus Datenkraken-Angst heraus WhatsApp verweigert habe und einsam in Threema gefloated bin…

  10. kopfschüttler says

    @phwampfler

    sorry, aber ihre argumentation hinkt sowas von…

    da kann man ja nur mit dem kopf schütteln.
    so jemand wie sie soll unsere kidz zu selbstständigen und selbstdenkenden (!) menschen erziehen.

    wie wäre es, wenn sie ihnen beibringen alternativen auszuprobieren anstatt zu resugnieren.

  11. „Ich gehöre zu Lager b). Bei a) verstehe ich nicht, wo die Grenze genau liegt: Bei der Weitergabe einer Telefonnummer an Facebook?“

    Das ist natürlich auch eine Meinung: Resignation. Klingt so ähnlich wie „die da oben machen eh was sie wollen“.

    Und die Grenze sollte schon bei der unkritisch oder reflexionsfreien Nutzung von Apple oder Google Produkten liegen: wenn mein Smartphone schon von Google ist, muss ich dann meine Mails und Kalender noch dort führen? Wenn ich alle meine Musik bei ITunes kaufe, muss ich dann Zuhause auch alles über AppleTV, Timemachine und so weiter machen? Gibt’s vielleicht hat ne Möglichkeit bei den wichtigsten Sachen auf Alternativen zu setzen? Brauche ich die Paypackapp oder kann ich doch meinen Kaffee in Bar bezahlen?

    Sicher kann man als sog. Anwender nicht alles kontrollieren, aber ein wenig darum bemühen sollte man sich vielleicht schon. 😉

    • Mr. Oz says

      die illusion, die menschen wie du ganz hart schieben, ist die, dass wenn ihr services wie whatsapp oder gmail nicht nutzt, das ihr a) in keinster weise sicherer vor „datenklau“ seid (sei es durch den verkauf von nutzerdaten an dritte, zum werben, oder sei es durch hacking), als leute die whatsapp und facebook benutzen und b) eure daten werden trotzdem verkauft, wie von jedem anderen.

      es. macht. keinen. unterschied. ihr fühlt euch nur schlauer als andere (was natürlich pure illusion ist), nur weil ihr eure daten in minimal kleinerem umfang an firmen weggebt. übelst traurig, peinlich und lächerlich. wenn die threema leute gucken wollen was welche nummer so schreibt dann können die das. locker, leicht und einfach. warum? becaus its the internet. everything is data. everything.

      der lehrer hat es einfach kapiert. es gibt zig artikel die auf whatsapp „alternativen“ hinweisen. das ist natürlich auch purer quatsch. weil sicherheit nichts nutzt, wenn es keine nutzer gibt, die den service nutzen. whatsapp hat JEDER. kleinkinder und schüler, deutsche und ausländer.

      die datenschutz hysterie hat in deutschland ein krankes wesen angenommen. es ist für die politik mitlerweile ein wunderbares thema geworden, mit dem man den normale pöbel zu beschäftigen weiss. bloß nicht über wahre, reale probleme in deutschland reden, aber immer schön auf threema hinweisen. im grunde genommen auch eine sehr schön typisch deutsche pseudo-debatte.

      lasst euch nicht brainwashen.

      nutzt whatsapp und facebook. und seid keine honks

      • … schreibt einer, der schon komplett brainwashed ist. Pauschale „alles Quatsch“ Argumentation hilft nur beim Nicht-Nachdenken. Solche Befürwortungen wünscht sich jede Firma als kostenlose Werbung für ihr Produkt. Aber das merkst Du ja schon garnicht mehr, Honk.

      • Was du schreibst ist ja schlicht Mumpitz. Das Signal bspw. sicherer als Whatsapp ist flimmert vermutlich gerade selbst du deine Timeline. Das von Dropbox gerade 65m Passwörter (Hashes aber ich schreibst mal vereinfacht) samt Mail geleakt sind, ist bei derartigen Diensten nicht das erste Mal und lässt jeden Owncloudnutzer zufrieden grinsen.

        Also natürlich gibt es einen Unterschied zwischen den einzelnen Dienstleistern oder dem Selbstbetrieb von Services.

        Irgendwie habe ich den Eindruck, dass du gar nicht so genau weißt was „dezentral“ bedeutet und auch nicht so genau wie das alles technisch funktioniert. Aber du wiederum großen Frust gegen die „Ilusionisten“ schiebst, die sich vermeintlich überlegen fühlen. Angst und Ärger waren noch nie gute Berater.

        Was ich schrieb ist, dass man einen direkten Vorteil davon hat, seine Nutzung zu streuen und das es durchaus Sinn macht nicht jeden Käse mitzumachen oder auch schlicht wieder zu verlassen. Und je mehr da vorangehen umso einfach ist es für alle. (Noch dazu ändern sich die Strukturen auch. Es gibt ne Menge Massenphänomene, die schon lange wieder tot sind.)

        Das damit zu kontern, „dass man ja eh nix machen kann“ ist schlicht Fatalismus oder Realitätsflucht. Kopf in den Sand, Arsch in die Luft. Das ist deine Empfehlung? 0_o

    • „wenn die threema leute gucken wollen was welche nummer so schreibt dann können die das. locker, leicht und einfach. warum? becaus its the internet. everything is data. everything.“

      Bezogen auf Metadaten stimmt das (noch). Bezogen auf die Inhalte nicht. Dass etwas über das Internet übertragen wird, heißt noch lange nicht, dass es auf einfache, unaufwändige Weise von jedem gelesen werden kann. Dafür gibt es seit langem sehr robuste Verfahren, die bisher aus Bequemlichkeit kaum Verwendung fanden und nun selbst Einzug in WhatsApp finden. Ja, auch die kann man knacken – aber es geht darum, diesen Prozess zu „verteuern“ durch einen höheren Ressourcenaufwand, sodass Massenüberwachung nicht mehr ganz so leicht ist.

      Wenn tatsächlich Passwortdaten geleakt werden können, ist mindestens einer dieser Fälle eingetreten.
      a) Die Idioten haben Passwörter im Klartext gespeichert
      b) Die Idioten haben einen Hashalgorithmus verwendet, der leicht zu knacken ist
      c) Die Idioten haben sich Code in ihr Webfrontend injezieren lassen und keine Checksummen oder ähnliches über ihren eigene Code gezogen.

      Dass die eigene Owncloud ach so sicher ist, liegt übrigens schlicht daran, dass sie als Ziel für automatisierte Angriffe zu unattraktiv ist.

      Mich bestärkt die hier teilweise durchschimmernde Haltung darin, dass es in der Gesellschaft dringend systematisch vermittelte informatische Kompetenzen geben sollte.

      Nach niedersächsischem Landesrecht wäre die Praxis, die du Philippe hier beschreibst, ganz klar ein Dienstvergehen.
      Ich vergleiche das auf Fortbildungen zum Datenschutz immer mit falsch Parken. Geht meist gut, aber wenn die Politesse kommt, ist es Essig mit „Och, ist doch gängige Praxis, machen andere doch auch!“. Aber zum Glück kommen die Politessen in diesem Bereich eher selten.

      • Danke für die längere Einordnung – wie schon oft gesagt: Die rechtliche Perspektive interessiert mich nicht. Ich mache in der Schweiz nichts Verbotenes. Wäre WhatsApp verboten, würde ich darauf für schulische Zwecke verzichten. Aber generell möchte ich ethische Urteile reflektieren, nicht rechtliche.

  12. Hans Wurst says

    Die Argumentation den WhatsApp Verzicht als moralisierend zu brandmarkt ist beschämend.

    So argumentieren Autofahrer über Radfahrer, Fleischesser über Vegetarier und Egoisten über „Gutmenschen“.

    • Nein – da gibt es einen wesentlichen Unterschied. Auf Fleisch zu verzichten, bedeutet nicht, anderen diesen Verzicht aufzuzwingen. Bei der Kommunikation tut man genau das. Zudem gibt es klare Indizien, dass der Fleischverzicht etwas bewirkt – das bezweifle ich beim WhatsApp-Verzicht.

  13. Ehrlich gesagt: das ist ein ganz mauer Beitrag! Schade, dass jemand wie Du mit Vorbildfunktion/Breitenwirkung/Klassenlehrerdasein sich um wirkliche Argumente nicht schert, dein einzig aussagekräftiges ist, niedrigschwellige Erreichbarkeit in der Kommunikation, das ist wohl richtig. Aber die anderen Aspekte sind eher ein Beweis, sich nicht in der gewohnten Handhabung von Services verändern zu wollen: was soll bitte heißen, keine Kommunikationskanäle vorschreiben zu wollen oder ungeachtet der Datenweitergabe die App trotzdem zu benutzen? Momentan schreibt WhatsApp vor, wie ihr Dienst zu benutzen ist und Du richtest dich danach! Anstatt dies zu reflektieren, projezierst Du den Kontrollwahn auf die kritschen Stimmen, anstatt auf die Betreiber, klassisches Zukurzdenken. Es hat auch niemand die Kontrolle über die eigenen Daten verloren, der/die sich ein wenig um die Services und ihren Umgang mit Daten kümmert, Artikel liest etc. und sich dementsprechend verhält. Weiter noch: wenn Du Dich nicht die Datenweitergabe Deines IPhone recherchierst: wer soll es dann machen? Kritisch zu reflektieren heißt nicht, jede digitale Kommunikation einzustellen, das ist ein Totschlagsargument, ich denke, das weißt Du ganz genau, sondern die Dienste zu nutzen, die etwas anderes machen, als die eigenen Daten direkt weiterzugeben. Das klingt alles nach Bequemlichkeit und nichts ändern wollen, das ist wirklich lahm. Was daran fehlt, ist die immerhin jedem Individuum eigene Möglichkeit, sein Handeln dort selbst zu bestimmen, wo es geht, das ist in der Nutzung eigener Geräte machbar. Schade, dass Du soweit nicht gehst.

    • Danke für den Kommentar. Das ist schon richtig: Wenn ich mir was wünschen könnte, dann wäre es ein sicheres, sauberes, brauchbares WhatsApp. Nur leben wir halt nicht in einer Welt der Wünsche.
      Meine Aussage war: Wer digital kommuniziert, hinterlässt Datenspuren – auch von Dritten. Ich kann mich als Laie darüber informieren, werde aber viele Schichten und Dimensionen immer nur erahnen können – auch bei Signal liest die NSA mit. Nun gibt es wohl zwei Positionen:
      a) WhatsApp ist hier einen Schritt zu weit gegangen, das hat eine Grenze überschritten, die andere nicht überschreiten, deshalb verzichte ich.
      b) WhatsApp tut etwas, was etwa Google und Apple als Anbieter von Smartphone-Betriebssystemen auch tun. Das ist höchstens eine kleine Differenz.
      Ich gehöre zu Lager b). Bei a) verstehe ich nicht, wo die Grenze genau liegt: Bei der Weitergabe einer Telefonnummer an Facebook?

  14. Hat dies auf lebendiglernen_dot_ch rebloggt und kommentierte:
    „Ich halte Datenschutz für einen Symboldiskurs. Wir haben die Kontrolle über unsere Daten verloren. Wir sprechen davon, die Daten würden uns »gehören«, sie seien irgendwie wie »Erdöl«, nämlich knapp, wichtig und wertvoll – aber mit all diesen Metaphern erfassen wir nicht, was wirklich passiert: Daten entstehen in komplexen Beziehungen, an denen meist mehrere Personen und Plattformen beteiligt sind.“

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