Social Media sind für Lehrkräfte Pflicht

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Ich halte heute im Rahmen einer Tagung von Microsoft Schweiz darüber, weshalb Social Media Lehrkräfte 2016 Pflicht sind.

Bildschirmfoto 2016-04-07 um 18.23.06Die Folien (unten) sagen viel darüber aus, dennoch fasse ich mein Argument noch einmal kurz hier zusammen:

Wer persönliche Lernnetzwerke aufbaut, in denen in echter Kollaboration Ressourcen zugänglich gemacht werden, hat drei Vorteile:

  1. lebenslanges Lernen
  2. Verständnis für mediale Praktiken Jugendlicher
  3. wirksame Öffentlichkeitsarbeit

All das passiert beim professionellen Einsatz von Social Media – und in diesem Gesamtpaket nur dann. Es gibt sicher Lehrkräfte, die ohne digitale Präsenz lebenslang lernen – aber erschließen sie so wirklich zeitgemäße Ressourcen und Netzwerke? Auch Gespräche mit Jugendlichen führen zu einem Verständnis ihrer Praktiken – aber will man wirklich auf die konkreten Beispiele verzichten?

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philippe-wampfler.ch

9 Comments

  1. Pingback: Lehrpersonen und Social Media? – Nicole Speck

  2. Wenn wir als Landschule nur noch Lehrkräfte mit digitalem Portfolio einstellten, könnten wir sehr bald selbst in Kernfächern nicht mehr die Unterrichtsversorgung sicherstellen. Demnach halte ich deine Forderung für objektiv richtig und wünschenswert, allerdings für wenig realistisch. Es ist alles eine Frage von Haltung, einer im momentanen Kontext sehr idealisierten Haltung. Es ist keine Frage von Jung und Alt. Die jungen Lehrkräfte kommen meist auch aus einer Ausbildung, die sich den veränderten Anforderungen der digitalisierten Welt kaum stellt. Mir kommen diese Forderungen allmählich recht stoisch vor – ebenso stoisch wie die Weigerung von Lehrkräften, diesen Weg zu gehen. Ich finde diese Theorien total super, aber nicht neu und seit Jahren darüberhinaus zirkulär. Es ist Zieltheorie. Was mir dagegen absolut fehlt, ist Transformationstheorie. Das Novum am Digitalen ist ja gerade – wie Lisa schon geschrieben hat – dass es alle betrifft und von allen Transformationsprozesse verlangt. Man kann jetzt sagen: „Oh, wie doof, dass du das alles nicht siehst!“ Und damit liegt man objektiv richtig. Aber nützen wird es nichts. Mein Blick ist durch die Beratungsarbeit in Schulen und mit Lehrkräften sehr eingeschränkt. Ich begleite bestimmte Schulen teilweise schon jahrelang. Eine Einsicht: Diejenigen, bei denen der Prozess gelingt, schreiben darüber wenig – sie machen einfach. Man sieht von ihnen nichts, aber es gibt sie zunehmend mehr. Und nein: Es macht nicht „Bäng!“ und alles ist gut. Es dauert Jahre und dabei werden Evolutionsstufen durchlaufen, über dann oft genug arrogant-digital hergezogen wird. Aber diese Stufen sind wichtig und haben einen Wert.

    • Lisa Rosa says

      Jetzt weiß ich, was du mit „Transformationstheorie“ meinst. Ja, ich gebe Dir Recht, wir brauchen eine theoretische Vorstellung von der Übergangsgesellschaft (Michael Gieseckes Begriff), mit der wir strategisch kluges Handeln begründen können. Kennst du die Transformationstheorie Gieseckes? Ich kenne jedenfalls keine andere. Ich habe seine Hauptelemente hier beschrieben: https://shiftingschool.wordpress.com/2014/04/29/medienbegriff-lernbegriff-und-geschichtslernen-im-digitalen-zeitalter/
      Und du hast Recht: Change zeigt sich in der Veränderung der Praxis der Einzelnen (erst der wenigen, dann der vielen, dann der „critical mass“). Aber dennoch: Es gibt weder voraussetzungslose Praxis, noch ernst zu nehmende unreflektierte Praxis. Über die gedanklichen und strukturellen Voraussetzungen muss immer mitlaufend neben der sich nach und nach verändernden Praxis gesprochen werden. Man darf das nicht entkoppeln. Und es gibt ja – wie Philippe – einige wenige Leute, die eben beides tun: Sowohl Praxis als auch reflektierte Praxis als auch Theorizing („ideelle“ = gedankliche Voraussetzungen diskutieren).
      Nach dem, was du hier schreibst, müsste dich Michael Giesecke eigentlich brennend interessieren. Falls du ihn noch nicht kennst: Seine beiden interessanten Bücher sind: „Von den Mythen der Buchgesellschaft …“ (eher Theoriebildung) und „Die Entdeckung der kommunikativen Welt“ (diverse Aufsätze zur konkreten Mediengeschichte)

  3. Pingback: Nur Lehrkräfte mit digitalem Portfolio anstellen? – Medienpraxis.ch

  4. Pingback: Nutzen von Social Media | digithek blog

  5. Es wäre für mich interessant zu wissen (und ist wahrscheinlich Teil des Vortrages): Was sollte denn so ein portfolio alles beinhalten? Und welche Social media wären „Pflicht“?

  6. Lisa Rosa says

    Danke, Philippe, ich bin so gespannt, wie der Vortrag angenommen wird, ich hoffe du wirst ausführlich berichten! Ich argumentiere noch radikaler: Die Digitalität ist ja nicht nur eine Lebenswelt der Jugendlichen – (‚und darum müssen wir wohl oder übel als Lehrer‘). Sie ist die Lebenswelt aller. Auch derjeniger, die versuchen, so netzfern wie möglich zu leben. Denn ihr Leben bestimmt sich dann eben mit dem Versuch des Aussteigens aus gesellschaftlichen Verhältnissen, was, wie wir ja spätestens seit den Hippies wissen sollten, nicht möglich ist. Auch der Bilderstürmer und Sichverweigernde hängt in diesen Verhältnissen fest. Es gibt keine Außenseinmöglichkeit – ganz sicher nicht im konkreten Lebensvollzug. Aber genau besehen, noch nicht einmal gedanklich-ideell.
    Die Frage ist: Können wir tatsächlich Lehrer gebrauchen, die sich mit ihrer eigenen Lebenspraxis, und besonders emphatisch (wie ich auf einer Veranstaltung gestern wieder feststellen musste) in ihren professionellen, auf Lernenprozessorganisation anderer Menschen gerichteten Tätigkeit auch programmatisch aus der Realität (aller Menschen, nicht nur der Schüler_innen) glauben raushalten zu können, indem sie sie verleugnen?
    Das ist ausdrücklich KEIN Vorwurf an die Lehrer_innen. Denn: Sie werden – nicht nur vom Schulsystem mit seinem engen an die Industriegesellschaft gebundenen Lernbegriff und allem, was das System „Schule“ ausmacht -, sondern auch von den gesellschaftlichen Verhältnissen in Deutschland insgesamt durch den Talk über digitale Medien in allen alten Massenmedien dahin genötigt (nicht gezwungen oder determiniert), die digitalen Medien und „bösen“ Plattformen des Web 2.0 als Feinde des Lernens und der Demokratie anzusehen. (Aber ist es nicht bezeichnend, dass meist ausgerechnet die eher konservativen bis rechts-sozialdemokratischen Menschen, die ihr Lebtag nicht auf die Idee kämen, sich damit zu beschäftigen, den Kapitalismus überwinden zu wollen, am meisten empört tun über die kapitalistischen Monopole der ICT-Infrastruktur, denn das sind diese Plattformen? Und die empört sind über die „bösen“ Algorithmen, die uns vorfiltern, was wir lesen und denken sollen? – Früher gab es ja sowas nicht. Da hat man einfach zufällig zu irgendeinem Buch gegriffen, und ganz bestimmt nicht auf Bestsellerlisten geschaut, oder das einzige Lehrbuch im Fachunterricht für alternativlos gehalten, und wo Professor drauf stand, gleich mindestens 4 weitere Suchergebnisse, äh, Monographien gelesen, damit man nur ja nicht einseitig. Leider ist es sehr schwer, aus dieser Denke herauszukommen. Es geht nur, wenn man buchstäblich alle bisherigen Gewissenheiten über „Lernen“ und „Wissen“ und „Schule“ und „Unterricht“ infrage stellt. Das aber läuft immer Gefahr, gerade Lehrer in ihrer Professionalität und damit als Person selbst infrage zu stellen. Die Grenze der Unterscheidung ist ganz ganz dünn.

  7. Anonymous says

    Diese Haltung kann ich nur bestätigen. Ich leite den Fachbereich Zweiter Bildungsweg an einer VHS und bin der Meinung, dass wir – wenn wir die Lernenden ernst nehmen – uns auf deren Lebenswelten einlassen müssen. Es ist also auch eine Frage des Respekts vor unserer Klientel. Mittlerweile qualifizieren wir auch schon die Geflüchteten, die aus den Deutschkursen bei uns kommen und die zeigen uns ja, dass es ohne Social Media und den darin auch enthaltenen Lernressourcen gar nicht geht.

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