Sind die Offliner dumm? Meine Antwort auf einen Brief

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Letzte Woche habe ich diesen Brief erhalten – den Namen und die Adresse habe ich weggeschnitten. Zunächst wollte ich mit einer handgeschriebenen Karte antworten, aber warum nicht beim vertrauten Kanal bleiben? Deshalb meine Antwort hier – ausgedruckt stelle ich sie dann per Post zu:

 

Sehr geehrter Herr K.

Danke für Ihren Brief. Er hat mich gefreut, ich mag es, wenn meine Aussagen kritisch gelesen werden. Allerdings sind mir zwei Dinge nicht ganz klar:

  1. Auf welchen Zeitungsartikel beziehen Sie sich?
  2. Warum gehören Sie zu den Menschen, die offline sind?

Nun zu meiner Antwort: Meine Aussage ist eine Beschreibung der Resultate von Untersuchungen. Unter den Menschen, die nicht online sind, gibt es einen größeren Anteil an Menschen mit wenig formaler Bildung und weniger Geld als unter denen, die das Netz nutzen. Das bedeutet nicht, dass Bildung oder Geld Voraussetzungen für die Teilhabe am Digitalen wären. Es handelt sich deshalb nicht um ein Urteil, sondern um eine statistische Beschreibung, die allgemein zutrifft, aber nicht in jedem Einzelfall. Mein reicher Onkel ist sehr gebildet – dennoch schreibt er keine E-Mails.

Ich habe mit Schülerinnen und Schülern über Ihren Brief gesprochen. Die Hälfte von ihnen findet, dass es verständlich sei, dass gewisse Menschen lieber offline bleiben würden. Die andere Hälfte denkt, es sei eigentlich inakzeptabel, die Möglichkeiten im Netz nicht selbst zu erfahren. Man bleibe so in der Vergangenheit stecken und verpasse die Möglichkeit, die Zukunft zu gestalten. Ich kann beide Positionen gut nachvollziehen: Bei jungen Menschen tendiere ich aber zur zweiten Perspektive, auch wenn ich weiß, dass die Kommunikation im Netz nicht für alle Persönlichkeitstypen gleich anregend ist.

Abschließend möchte ich Ihnen noch schreiben, worum es mir geht: Bildung und Geld sind in der Schweiz ungleich verteilt. Menschen haben stark unterschiedliche Chancen. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Im Moment erleben wir einen Umbruch: Die Wirtschaft digitalisiert sich enorm schnell. Das bedeutet, dass sich die Ungleichheiten vergrößern. Dagegen möchte ich etwas tun.

Mit freundlichen Grüßen,

Philippe Wampfler

The Author

philippe-wampfler.ch

2 Comments

  1. Lernbegleiterin says

    Wenn sich alle so unaufgeregt und abgeklärt für Digitalisierung in der Bildung einsetzen würden, wären wir vermutlich schon weiter. Danke!

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