Studie: Schadet digitale Kommunikation Beziehungen?

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Über einen FB-Post von Marc Böhler bin ich gestern auf einen Bericht über eine Studie von Shanhong Luo gestoßen. In der Studie (wer keinen Zugang hat, kann bei mir eine Privatkopie per Mail anfordern) wird untersucht, inwiefern die Verwendung von digitalem Messaging in Beziehungen der Zufriedenheit mit der Beziehung schade.

Die relevante Variable war dabei der Anteil von digitaler Kommunikation an der Gesamtkommunikation eines Paares. Dieser Anteil hängt bei US-amerikanischen College-Studentinnen und -Studenten mit folgenden Faktoren zusammen:

  1. Beziehungsstatus (wie eng ist die Beziehung)
  2. Entfernung der Partner
  3. Gesamtzahl der verschickten Nachrichten
  4. der Selbsteinschätzung in Bezug auf Vermeiden von Konflikten bzw. Intimität in Beziehungen (»avoidance«)
  5. der Selbsteinschätzung in Bezug auf Besorgt-Sein um die Beziehung, sich nicht genügend geliebt Fühlen (»anxiousness«)

Je höher der Anteil – so zeigt die reduzierte Grafik – desto geringer die Zufriedenheit mit der Beziehung, selbst wenn alle anderen Einflüsse berücksichtigt werden. Die dysfunktionalen Beziehungsstrategien Avoidance und Anxiousness führen selbst auch zu einer reduzierten Zufriedenheit, indirekt werden diese Einflüsse jedoch durch die Verwendung digitaler Kommunikation verstärkt.

Bildschirmfoto 2015-03-08 um 21.32.48Die Studie belegt die so genannte Displacement Hypothesis: Der Gebrauch bestimmter Kommunikationsformen verdrängt andere.

Sie ist aber letztlich ein schönes Beispiel dafür, wie komplex die Untersuchung des Einflusses bestimmter Medienformen ist: Mit Befragungen kann viel gemessen werden. Ursachen werden dadurch nur indirekt ermittelt. Hängt die geringe Zufriedenheit in Beziehungen oft von psychologischen Aspekten ab, können Medien die Wahrnehmung dieser Aspekte verstärken und auch ihren Einfluss verändern. SMS und Messaging haben Menschen, die Konflikte meiden, Tools gegeben, weiterhin kommunizieren zu können. Dadurch könnten Beziehungen länger halten, als das ohne diese Möglichkeiten der Fall war – auch wenn die Partner mit der Situation nicht zufrieden sind. Und daran zeigt sich auch die Schwierigkeit von Wertungen, weil sie immer auch von Wahrnehmungen abhängen, von Vergleichen. Die Möglichkeit, sich SMS schreiben zu können, beeinflusst aber auch die Paare, die davon nicht Gebrauch machen – weil das wiederum mit Bedeutung aufgeladen ist.

Zum Schluss noch die nackten Zahlen aus der Studie – die Studierenden schicken ihren Partnerinnen und Partnern im Schnitt 65 Mitteilungen pro Tag. Digitale Kommunikation macht im Mittel 31% der Kommunikation in Beziehungen aus.

Bildschirmfoto 2015-03-08 um 21.37.24

The Author

philippe-wampfler.ch

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