oke ist nicht okay. Und nicht ok. – Schriftliche Mündlichkeit

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Okay-Guy-Meme.

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Es ist eine triviale Einsicht, dass die Chats Jugendlicher und Erwachsener die Merkmale mündlicher Sprache aufweisen. Der sprachliche Ausdruck erfolgt in der Regel:

  • dialogisch
  • situationsabhängig oder -bezogen
  • spontan, ungeplant
  • expressiv
  • informell

Schriftliche Gespräche weisen im Vergleich mit mündlichen zunächst weniger Möglichkeiten auf: Nicht nur fehlt oft eine gemeinsame Wahrnehmung einer Situation, fast gravierender ist ein Wegfall der körperlichen Dimension und damit der paraverbalen Kommunikation (Stimme) und der non-verbalen (Gestik, Mimik).

Spricht man mit Jugendlichen über negative Erfahrungen mit Social Media und insbesondere WhatsApp, wird sehr oft auf Missverständnisse hingewiesen, die gerade deshalb entstehen, weil die Präzisierung fehlt, welche nicht-verbale Kommunikationssignale leisten.

Doch dieser Mangel wird – wie es nicht anders zu erwarten war – durch kreative Wege behoben. Ein Beispiel dafür sind die Schreibweisen von »okay«:

  1. »ok« heißt ungefähr: »Ich hab’s gelesen, nun lass mich in Ruhe, du bist mir egal.«
  2. »okay« heißt: »Ist schon gut, mir geht es schlecht und du kannst nicht viel daran ändern, aber ich weiß, dass du dir Mühe gibst.«
  3. »oke« oder »okei« heißt: »Bestens, danke für die Mitteilung, ich bin ganz zufrieden damit.«

Diese Differenzierungsmöglichkeiten bringen nun eine paraverbale Dimension in die schriftliche Sprache, ganz ähnlich wie der Tonfall, die Satzmelodie und die Lautstärke das im mündlichen Gespräch ermöglichen. Doch der Einsatz dieser Unterscheidungen ist nicht allen gleich bekannt: Wer den Code nicht kennt, erlebt mehr Missverständnisse als ohne, und wer den Code voraussetzt, obwohl andere ihn nicht kennen, ebenfalls.

* * *

Zusatz und Präzisierung: Wie die Kommentierenden unten und auch auf FB angemerkt haben, ist meine Darstellung äußerst verkürzt. So schreibt Marius I. auf Facebook:

Es gibt auch noch weitere Abbrevationen, z.B „k“ heisst zur Kenntnis genommen, habe jetzt keine Zeit (ähnlich wie „ok“) und dann gibt es noch „oki“, das heisst soviel wie vielen Dank für deine Mühe, ist also freundlich, oft wird es mit einem Smiley oder Emoticon verbunden. Die Interpunktion kann auch einen wichtigen Einfluss haben, also ob „ok.“ oder „ok!“ steht.

Die aggressivste Form muss offenbar »k.« sein – aber die Verwendungsweisen und Codierungen variieren sozial, sogar in Bezug auf unterschiedliche Beziehungen. Missverständnisse sind leicht möglich: Wer z.B. keine Zeit hat und »ok« schreibt, kann auch als unfreundlich und abweisend empfunden werden.

Zusatz 3. Januar 2014: Zur Interpunktion in digitaler Kommunikation gibt es bei der taz einen interessanten Artikel.

The Author

philippe-wampfler.ch

4 Comments

  1. Danke Philippe für die Anregungen. Wäre ja eine gute Sache, so etwas z.B. in einer Deutschstunde zu thematisieren oder z.B. auch Chats zu „schreiben“ – in Ermangelung von Devices oder wegen Verbotes durch Hausordnungen dann einfach auf Papier („Papertweet“). Ich werde es in einer Religionsstunde ausprobieren – habe gerade gestern mit meinen 9ern über das Thema gesprochen, hier ging es vor allem um Facebook, Sicherheitseinstellungen, Messages, Instagram und Sexting.
    Mehrere Schülerinnen und Schüler sind nun auch bei Twitter, wissen aber noch nicht so recht, wie sie den Informationsstrom für sich nutzen können, wie sie mit Hashtags umgehen und Lernnetzwerke bilden.

    Work has2be done.
    Viele Grüße!

  2. Oliver Spiess says

    Guter Beitrag – zeigt grundlegene Fakten auf!
    Wie in vorangehendem Kommentar aber bereits erwähnt, stellen sich Individuen oft auch auf das Gegenüber ein und fassen ein „ok“ von Digital Immigrants anders auf als das jene von Natives. Hier schwanken die Interpretationen aber auch stark; verbunden mit der betroffenen Persönlichkeit und seinem sozialen Umfeld.
    Der Beitrag schreit nach Ausführung und Differenzierung!

  3. Jonas Grillo says

    Aber auch hier tauchen haufenweise Missverständnisse auf. Ich pers. codiere anscheinend anders.
    Für mich ist das „ok“ das „danke für die Info, abrr ich habe eigentlich keine Zeit/Lust, um mit dir zu schreiben“.
    „Oke“ bedeutet so viel wie „wenns sein muss/ dann ist es halt so“
    „Okei“ oder „okay“ ist fuer mich das positivste im Sinne von „super bis dann“

    Es hängt also auch hier entscheident von der Codierung und Decodierung der Gesprächspartner ab. Ich würde z.b. nie ein „lass mich in Ruhe“ aus einem „ok“ herleiten, wenn ich mit meinen Eltern schreibe.

    Ein weiterer entscheidender Punkt erscheint mir der Gebrauch von smileys und Ausrufezeichen.

    Fehlt das smiley am Ende des Satzes wird die Nachricht schnell als negativ aufgefasst und jemand hat mal gesagt, er/sie fühle sich angeschrien, wenn am Ende ein Ausrufezeichen (oder zwei) stehe.

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