Kompetenzen für eine digitale Welt

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Philipp Zurmöhle, society6.

Philipp Zurmöhle, society6.

Blickt man in die Zukunft, so wirkt Medienkompetenz oft wie ein Schlagwort, mit dem viele Ansprüche gemeint sind, die sich nicht genau benennen lassen. In der Diskussion des Begriffs Kompetenz vermischen sich zudem die Anforderungen einer wirtschaftlich determinierten Berufswelt und gesellschaftliche Vorstellungen von individueller Entwicklung, wie Anja Wagner in ihrer Dissertation mit dem Titel »ÜberFlow« festhält (S. 108):

Die Kompetenzdebatte fokussiert auf die Person als zentrale Instanz der Kompetenzentwicklung. Seitens gesellschaftspolitischer Instanzen wird über den individualisierten Kompetenzbegriff großer Druck auf die Menschen ausgeübt, damit diese problemorientiert auf flexible äußere Anforderungen reagieren können und die nationalen Gesellschaften innovativ weiterentwickeln. Will man dagegen weniger die funktionale Anbindung an von außen gesetzte Normen oder Ziele (wie staatliche Entwicklung, Innovationen, persönliche Bildung o.ä.) in den Vordergrund rücken und eher die Sicht des Einzelnen einnehmen, so kommt der individuellen Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit eine größere Bedeutung zu. Die persönliche Kompetenz zur Gestaltung von Situationen ist eine andere als fach- oder methodenspezifische Kompetenzen, um in bestimmten Situationen im Interesse der Wissensökonomie zu agieren.

Die Fähigkeit, im Internet vorliegende Angebote nutzen zu können, auf die beispielsweise das »Internet Literacy Handbook« der UNESCO eingeschränkt ist, und die damit verbundene Reflexion erweitert Wagner mit drei zentralen Voraussetzungen, die Individuen befähigen »eine individuelle Netz-Kompetenz aufzubauen, die es ermöglicht, neben den herrschenden Netzwerkstrukturen alternative Netzwerke mit gestalten zu können« (S. 109f.):

  1. Selbstregulation, Selbstorganisation, Selbstreflexion und Selbstreflexion ermöglichen informelles Lernen im Kontext des Web 2.0; sie führen zu »Neugierde und Kreativität, Initiative und Autonomie, Lernfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Frustrationstoleranz, Improvisationsgeschick und Risikobereitschaft«.
  2. Eine Internetkompetenz, die sich aus einer Medienalphabetisierung oder Medien-literacy, »medienspezifischen Analyse-, Evaluations- und Contententwicklungs-Skills« und der Fähigkeit, Informationen kontextualisieren zu können, zusammensetzt.
  3. Die unter 1. und 2. genannten Fähigkeiten kommen in heterogenen sozialen Zusammenhängen zum Einsatz, entscheidend ist also die Kompetenz, in flexiblen Umgebungen problembezogen kommunizieren zu können, ohne die eigene Autonomie preiszugeben.

Medienkompetenz muss in Bildungsprozessen mit der Förderung sozialer und ethischer Kompetenzen gekoppelt werden. Nur so kann dem einerseits gesellschaftlichen, andererseits wirtschaftlichen Druck widerstanden werden, der durch die Neuen Medien gerade auf Jugendliche ausgeübt wird.

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philippe-wampfler.ch

1 Kommentar

  1. dissidentch says

    Medienkompetenz muss mit der Ausbildung der LehrerInnen gekoppelt werden. Gemeint sind auch die AusbildnerInnen der zukünftigen Pädagogen.
    Medienkompetenz bedeutet vielmehr als das Einreihen von Medien. Medienkompetenz bedeutet Produktion, Reflexion und Teilen von Wissen.

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