Swisscom, Verschlüsselung und Contentfilter – ein Zwischenstand

Nach meinem Blogbeitrag von vorgestern, der unter dem etwas reißerischen Titel »Swisscom hört Schulen ab« stand und in dem ich eigentlich lediglich aufgriff, was bei den Fachstellen (FHNW, Kanton Zürich) schon längst stand, wurde das Thema in der NZZ und im Tages-Anzeiger aufgegriffen. Für den Kanton Zürich hat René Moser in einem ausführlichen Blogbeitrag darauf reagiert (diese Bemerkung habe ich am 28. Oktober eingefügt, Ph.W.).

Die Swisscom reagierte gestern ausführlich, ihre Stellungnahme habe ich im Blogpost hinzugefügt (siehe ganz unten).

Dennoch bleiben einige Fragen ungeklärt, die ich im Folgenden noch einmal auflisten möchte. Zunächst aber eine kurze Beschreibung dessen, was passiert – ich vermeide Fachsprache, weil ich auch kein Informatiker bin:

Die Swisscom stattet Schulen mit eigenen Sicherheitszertifikaten aus, damit sie einen Teil der Internetkommunikation entschlüsseln und filtern kann. Das betrifft nach eigenen Angaben nur Traffic der zu Google geht (andere Suchmaschinen werden offenbar noch mit herkömmlichen Filtermethoden gefiltert). Das heißt, dass Suchanfragen an Schulen nicht effektiv verschlüsselt sind.

Die wichtigsten daran anschließenden Fragen, die teilweise in Kommentaren bei der NZZ und in meinem Blog aufgerufen werden, lauten wie folgt:

  1. Was passiert, wenn SchülerInnen und oder Lehrpersonen die Swisscom-Zertificate auf privaten Geräten installieren? Ist ihre private Kommunikation danach zuhause sicher verschlüsselt?
  2. Warum verwendet die Swisscom ein Zertifikat von ZScaler und nicht ein eigenes?
  3. Könnte die Swisscom schulische Kommunikation komplett überwachen? Könnte sie das auch mit privaten Swisscom-Anschlüssen tun?
  4. Warum bietet die Swisscom überhaupt einen Contentfilter an, wenn der mit Privacy-Problemen verbunden ist? Warum nicht das Geschäft komplett auslagern?
  5. Warum akzeptieren die Kantone diese Methode an ihren Schulen?
  6. Wer verantwortet die pädagogischen Konsequenzen, dass SchülerInnen und Lehrpersonen an gewissen Schulen aufgefordert werden, wichtige Sicherheits-Warnhinweise der Browser wegzuklicken?
  7. Ist dieser Preis (Aufgabe von Privacy) nicht zu hoch für die Filterung der Inhalte?

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