Gestern sind die ersten PISA-Ergebnisse der Tests aus dem Jahr 2025 publiziert worden. Ergebnis: Die Resultate werden in allen drei untersuchten Bereichen schwächer – und zwar über alle OECD-Länder gesehen. Wenn das in der Schweiz oder in Deutschland auch passiert, ist das keine Ausnahme, sondern die Regel.

Warum das passiert, ist unklar. Fachpersonen verweisen auf Corona und auf digitale Medien – aber auch auf komplexere Kompetenzprofile, die in Schulen entwickelt werden. Der Schweizer Lehrplan fokussiert etwa zurecht nicht ausschliesslich auf diese von PISA getesteten Kompetenzbereiche.
Eine Gruppe von Forscher:innen hat gezeigt, dass die Haltung gegenüber PISA-Tests Resultatunterschiede teilweise erklären können: Schüler:innen in den USA nehmen Tests wie PISA weniger ernst als Schüler:innen in gewissen asiatischen Ländern, wo standardisierte Tests eine hohe kulturelle Bedeutung haben. Der Rückgang der Scores könnte auch damit zu tun haben: Dass Jugendliche 2025 sich einfach weniger anstrengen.
Denkbar wäre auch, dass die Normierung nicht (mehr) stimmt. 500 bedeutet nicht eine Punktzahl (wie 500 von 1000), sondern ist ein statistischer Mittelwert, der so verwendet wird: Zwei Drittel der Getesteten sollten zwischen 400 und 600 Punkten liegen. Wenn nun in fast allen Ländern die Scores sinken, sollte das aufgrund des Modell nicht möglich sein – der Mittelwert sollte immer noch bei 500 liegen. Möglich wäre auch, dass sich insbesondere Lesekompetenzen so verändern, dass die gestellten Aufgaben nicht mehr relevante Fähigkeiten testen.
Entscheidend sind die Schlüsse, die aus den Ergebnissen gezogen werden. Avenir Suisse hat beispielsweise schnell reagiert und mehr Spielraum für Gemeinden und Kantone gefordert, um im föderalistischen System unterschiedliche Unterrichts- und Schulmodelle zu testen. Gleichzeitig äussert der Think Tank ökonomische Bedenken und stellt klar, dass Schule nicht mehr kosten darf, weil die Mittel nicht optimal eingesetzt werden. Dieses ökonomische Kalkül ist oft mit einem Krisendiskurs verbunden: Aus den scheinbar schlechten PISA-Scores wird abgeleitet, dass Schulen Geld verschwenden würden und Mehrausgaben nicht gerechtfertigt seien – obwohl auch genau der gegenteilige Schluss denkbar wäre: Schulen brauchen offenbar noch mehr Ressourcen, um die erwünschten Leistungen zu erbringen.
Ein weiterer häufig diskutierter Punkt sind die fehlenden Grundkompetenzen: Ein relevanter Anteil an den Schüler:innen der Schweiz kann nicht richtig lesen und nicht richtig rechnen. Diese Schüler:innen haben Mühe bei der Berufsbildung, ihre beruflichen Perspektiven sind gefährdet. Nur: Was tun? Es ist so einfach wie falsch, jeweils einer bestimmten Schulform die Schuld zuzuweisen: Die Berufsschulen verweisen auf die Sekundarstufe I, die Sekundarstufe I auf die Primarschule, die Primarschule auf die vorschulische Förderung. Das bringt nichts – letztlich müssen alle Stufen zusammenarbeiten. Das tun sie schon. Die Verantwortlichen wissen, dass es Schüler:innen gibt, die bei den Grundfertigkeiten nicht weiterkommen. Sie bemühen sich, das zu ändern – aber es geht nicht so einfach. Die Vorstellung, Massnahmen wie eine Beschränkung von Integration oder die Abschaffung von Fremdsprachenunterricht würden hier Abhilfe schaffen, ist naiv und nicht evidenzbasiert.
Die Tatsache, dass die PISA-Ergebnisse fast überall schlecht sind, erlaubt es, jede politische Agenda damit zu füllen. Das sind keine tragfähigen Argumente, weil Evidenz fehlt. Wer mit den PISA-Scores argumentiert, müsste zuerst zeigen, dass die vorgeschlagenen Massnahmen tatsächlich zu besseren Scores führen könnten.