Vier Grundsatz-Positionen zur Schulcloud

Da immer wieder Diskussionen über die Frage geführt werden, welche Form von Schulcloud Schulen in der Schweiz und in Deutschland brauchen, fasse ich hier mal die Haltungen zu dieser Frage zusammen. Eine breitere Analyse hat Martin Lindner im Routenplaner-Buch vorgelegt (ab S. 217).
Ich versuche, wertungsfrei zu formulieren – sollte mir das nicht gelingen, schätze ich Feedback und werde entsprechende Anpassungen vornehmen.

  1. Schulen brauchen keine Cloud.
    Wer sich bei Schulentwicklungsfragen am vor-digitalen Präsenzunterricht orientiert, findet für die Möglichkeiten einer Schulcloud wenig Verwendung. Schulen können digitale Mittel bewusst beiziehen – ein permanenter und schneller Austausch von Daten erscheint aber nicht als dringlich.
  2. Open-Source-Cloud aus bestehenden Angeboten.
    Mit Moodle und weiteren/anderen Tools lässt sich heute eine Schulcloud betreiben. Vertreter*innen dieser Lösung sehen Moodle als Lösung der relevanten Probleme an, auch wenn der Unterhalt und das Administrieren von Moodle zu einem beträchtlichen Aufwand führen kann.
  3. Kommerzielle Cloud-Angebote.
    Insbesondere Microsoft Teams, aber auch Google Classroom sind Lösungen, die viele Schulen als Cloud-Lösungen einsetzen. Sie sind komfortabel und relativ einfach zu unterhalten, aber besonders aus einer europäischen Perspektive in Bezug auf Datenschutz kompliziert oder problematisch. Wer sich für diese Lösung einsetzt, drängt darauf, die Datenschutzfragen juristisch zu klären und so sicherzustellen, dass diese Software eingesetzt werden kann.
  4. Staatliche Cloud-Entwicklungen.
    Base4Kids in Bern oder Mebis in Bayern sind Eigenentwicklungen, mit denen Bildungsbehörden Schulen direkt mit einer Cloud versorgen. Die entsprechenden Projekte sind komplex und teilweise mit mehr Aufwand/Kosten verbunden, als zunächst erwartet wird – letztlich hat aber der Staat die Hoheit über die Software und kann sie autonom und ausgehend von realen Bedarfen weiterentwickeln und verwalten. Denkbar sind hier auch Rückgriffe auf bereits bestehende Open-Source-Tools, z.B. bei Base4Kids.

Betrachtet man diese Positionen, werden leicht einige Kriterien erkennbar, welche die Diskussion steuern:

  • Umgang mit Daten, Datensicherheit und Datenschutz
  • Kosten
  • Abhängigkeiten bzw. Autonomie
  • Usability
  • Leistungsfähigkeit (Möglichkeiten, z.B. Videokonferenz; Funktionsfähigkeit auch unter hoher Belastung…)
  • Aufwand für Unterhalt, Betrieb und Rechtemanagement
  • Transparenz und Informationsethik

Der Grund, weshalb Diskussionen in Bezug auf diese Themen immer wieder aufflackern, ist aus meiner Sicht recht einfach: Jede Lösung ist ein Kompromiss. Wer sich etwa für Open-Source-Lösungen ausspricht, ist bereit, einen etwas höheren Aufwand und Nachteile bei der Usability und Leistungsfähigkeit in Kauf zu nehmen – schafft dafür maximale Transparenz, hält längerfristig die Kosten tief und bleib unabhängig. Im Gegensatz dazu sind kommerzielle Angebote enorm benutzer*innenfreundlich, einfach einzusetzen und leistungsfähig, führen aber zu einer Abhängigkeit, möglicherweise versteckten (späteren) Kosten und mangelnder Transparenz, auch beim Datenschutz.

Hinzu kommt, dass Software-Projekte oft einfach aussehen, in der Realität aber teuer und komplex sind. Eine leistungsfähige Schulcloud zu programmieren ist kein Kinderspiel, das Bundesländer oder Kantone mal so nebenher auf die Reihe kriegen. Das aber heißt wiederum nicht, dass sie es nicht probieren sollten… 

Bild: Sendi Gibran, Unsplash

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