Game of Thrones und Star Wars – über digitale Lektürepraktiken

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Kürzlich habe ich mich mit jemandem über die Stieg Larssons Millenium-Trilogie unterhalten. Klar, die hätte ich ganz gelesen, sagte ich schnell. Als wir dann stilistische Fragen besprachen, erinnerte ich mich daran, dass ich Teile auf Englisch gelesen habe und andere als deutsches Hörbuch gehört habe. Auch einige der Filme halfen mir dabei, den Plot nachvollziehen. In meinem Archiv fand ich sogar einen Blogpost dazu, der mir half, meine Erinnerung aufzufrischen.

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Bei der Lektüre von Star Wars und Game of Thrones (damit meine ich ein Amalgam von ASOIAF-Büchern und der Serie) wird mir aber bewusst, dass sich die Komplexität der Lektürepraktiken erhöht hat. Hier einige Elemente:

  • Die Lektüre erfolgt nicht linear, sondern kann springen, aber auch Redundanzen aufweisen: So höre ich zu jeder GoT-Folge mehrere Recaps als Podcast bzw. Talkshow, welche die Folge meist nacherzählen.
  • Ich lese Teile oberflächlich, andere enorm vertieft. So lese ich einzelne Kapitel oder vertiefe Zusammenhänge mit Fanfiction oder Theorycraft.
  • Die Lektüre umfasst Foren (Reddit hat die Lektüre massiv beeinflusst), Wikipedia, kommentierende oder zusammenfassende Youtube-Videos, Podcasts, Kommentare, Trailer, Essays. Sie ist in jeder Hinsicht multimedial, erfolgt aber ausschließlich digital.
  • Obwohl diese Lektürepraktiken primär populäre Belletristik mit starker Plotorientierung betreffen, treten immer wieder stilistische Merkmale in den Fokus – wie z.B. der Vergleich einer Jon-Snow-Szene mit einem Rembrandt-Bild zeigt.

Soll sich der Unterricht an solchen Lektürenpraktiken orientieren, sie unterstützen, vertiefen und überhaupt ermöglichen, muss der klassische Literaturunterricht sich wandeln. Wie das genau geschehen kann, beschäftigt mich – eine abschließende Lösung habe ich dafür nicht gefunden. Über Ideen in den Kommentaren freue ich mich.

Bildschirmfoto 2016-05-19 um 08.18.01

The Author

philippe-wampfler.ch

1 Kommentar

  1. Schüler sollen nicht überlastet werden. Heisst es immer und dann wird, gerade in den geisteswissenschaftlichen Fächern, der kleinste gemeinsame Nen… nee, es wird das Basisziel ausgegeben: Hauptsache, die Schüler lesen mal ein Buch. Schön. Nur, welchen Nutzen hat es Bücher zu lesen? Ich habe schon als Kind nie verstanden, wie jemand unter Hobbies ‚lesen‘ angeben konnte. Ich verstehe auch das Beharren auf ‚Hauptsache lesen‘ und ‚Bücher‘ nicht.

    Es ist nämlich nicht egal, was wir lesen. Es ist auch nicht egal, wie wir lesen.

    Ohnehin bin ich recht sicher, dass die meisten Schüler eh dasselbe machen wie du [und ich und viele andere], sie suchen Hilfen zum Verständnis, sie wollen sehen, ob sie dasselbe erkennen wie andere. Die ganz klugen suchen Widerspruch, um ihre eigene Meinung – und sei es vor sich selbst – zu verteidigen, anzuschärfen, ggf. zu ändern. Früher besorgte man sich dafür Cliff’s Notes und Schulinterpretationen anderer Verlage. Allerdings eher mit dem Ziel, das in die Klausur zu schreiben, was der Lehrer „denkt“.

    Angeblich bereitet die Schule uns auf mögliche Karriereentscheidungen vor. Für Naturwissenschaften [und begrenzt Mathematik] sieht kaum jemand ein Problem darin, Schüler auf extraschulische Quellen hinzuweisen. Stark hinzuweisen, fast schon bindend. Warum nicht in literaturwissenschaftlichen Fächern wie Deutsch, Englisch, Französisch, Latein? Mir wäre es lieb, kämen Schüler nicht mit der Einstellung zur Uni, in LitWiss ginge es nur darum, vage Gedanken in möglichst vielen Wörtern verpackt anderen vorzuwerfen.

    Ja, zeig denen, wie du liest. Erklär ihnen, warum du so liest!

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