Wenn ich mit Lehrpersonen alternative Bewertungs- und Prüfungsmethoden diskutiere, mit denen sich Probleme der traditionellen Prüfungskultur lösen lassen – einen Einblick erhält man in meinem Newsletter – dann taucht ein Einwand immer wieder auf: Sowas gehe in Fächern mit vielen Lektionen sicher gut, aber in den mit nur zwei Lektionen dotierten Fächern sei das ein Ding der Unmöglichkeit. Zu viele Klassen, zu wenig Zeit.
Dieser Einwand ist valide. Ich könnte mit 10 Klassen, die ich zwei Lektionen pro Woche sehe, vieles nicht machen, was ich für lernförderlich und pädagogisch wertvoll halte. Zwei Lektionen pro Woche bedeuten gut drei Minuten Präsenzzeit pro Schüler:in. So kann keine Beziehung entstehen, in der Vertrauen entstehen und ein gutes Arbeitsklima gedeihen kann.
Deshalb müssen die Zweistundenfächer verschwinden. Das ist leicht provokativ formuliert, aber nicht so gemeint: Nicht die Fächer müssen verschwinden, denen oft nur zwei Lektionen pro Woche zugewiesen wird, sondern das Format muss abgeschafft werden. In jedem Fach ist genügend Zeit wichtig, jedes Fach braucht tragfähige Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden.
Nur: Die Lektionenzahl ist beschränkt. Wie sollen Schulen und Schulverwaltungen das bewerkstelligen? Dazu gibt es mehrere denkbare Wege – einige davon erfordern allerdings gesetzliche Reformen:
- Die Stundentafeln könnten so gestaltet werden, dass kein Fach weniger als drei Stunden pro Woche zugeteilt bekommen darf. Das bedeutet dann, dass in einigen Schuljahren bestimmte Fächer nicht unterrichtet werden, in anderen dafür mit mehr Zeit.
- In vielen Kantonen gibt es Gymnasien, die Phasenunterricht (mit unterschiedlichen Namen) eingeführt haben. Gemeint ist damit ein Stundenplanwechsel nach einigen Wochen. Während diesen durch den Wechsel abgegrenzten Phase sind die Fächer doppelt so stark vertreten wie sonst – aus Zweistundenfächern werden Vierstundenfächer.
- Schüler:innen wählen zwischen mehreren Zweistundenfächern aus und vertiefen die gewählten Fächer, während sie die nicht gewählten nicht (mehr) besuchen.
- Fächer werden zu grösseren Einheiten kombiniert, wie das z.B. in der Schweizer Sekundarschule mit naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Fächern passiert ist.
Was sicher nicht geht: Immer mehr Fächer in begrenzter Zeit unterbringen.
