Die Diskussion um Smartphone-Verbote führt in die Irre

Wir führen aktuell eine Diskussion um Smartphone-Verbote an Schulen, die aus zwei Gründen problematisch ist: Erstens ist sie Teil eines Trends, in dem Politiker:innen den Handlungsspielraum von Schulen beschränken, um unwissenschaftliche Vorstellungen zum Umgang und Lernen mit Jugendlichen durchzusetzen. Zweitens geht die Diskussion davon aus, man könne ernsthafte Probleme mit der Lernkultur an Schulen und der psychischen Gesundheit von Jugendlichen über ein Verbot lösen. Was wiederum eine unseriöse, unwissenschaftliche Sicht auf die Zusammenhänge ist.

Grundsätzlich hängen beide Probleme zusammen, indem sie von einer fehlenden Bereitschaft zeugen, Zusammenhänge zu verstehen und jungen Menschen wirksam zu helfen. An die Stellen von dem, was etwas nützen würde, tritt eine Regel, die sinnvolle Vorgehensweisen für Schulen erschwert, nur mit hohem Aufwand durchzusetzen ist und wohl mehr schadet als nützt.

Wozu soll ein Handyverbot überhaupt eingeführt werden? Was ist das, was sich Vertreter:innen konkret davon versprechen? Ich habe einige Vermutung in der Slide aufgeschrieben. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, in Schulen lange Arbeitsphasen ohne Smartphone-Nutzung durchzuführen. Es spricht auch nichts gegen transparente Regeln, wie Kinder und Jugendliche Smartphones an Schulen nutzen dürfen. Und selbstverständlich dürfen Jugendliche Smartphones an Schulen weglegen oder sie gar nicht erst mitnehmen, wenn sie das möchten.

Gerade dieser letzte Punkt zeigt die Absurdität einiger Argumente für ein Smartphone-Verbot: Wenn es wirklich darum geht, jungen Menschen einen Gefallen zu tun, dann könnten sie entweder ihr Gerät zuhause lassen oder es in der Schule einfach irgendwo einschliessen. Ihnen das anzubieten ist kein Verbot. Alles, was über dieses Angebot hinausgeht, entspricht aber offensichtlich nicht dem Bedürfnis dieser jungen Menschen. Viele übernehmen zwar Gedanken von Erwachsenen, aber genau wie diese Erwachsenen können und wollen sie nicht aufs Smartphone verzichten. Vielleicht wäre das ein guter Ausgangspunkt für eine seriöse Diskussion: Das Eingeständnis, dass wir gerne am Smartphone sind und nicht freiwillig darauf verzichten möchten. Deswegen müssen wir kein schlechtes Gewissen haben – und kommen dann vielleicht auch nicht auf die Idee, anderen die Nutzung verbieten zu wollen.

5 Kommentare

  1. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    Die Nutzung ist der springende Punkt. Und die Ablenkung bei genutzten Angeboten, die nichts mit dem Unterrichtsthema zu tun haben.
    Und warum sollen private Handys genutzt werden, wenn andere Geräte von der Schule zur Verfügung gestellt werden, um digitale Aufgabenstellungen zu bearbeiten und die beim Kompetenzerwerb zum Einsatz kommen?
    Für den Hin- und Rückweg, ok, kann man machen. Dann sind die privaten Handys während der Schulzeit ungebraucht dabei und die SuS lernen in ständiger Angst, etwas zu verpassen. Das heisst, sie können dann gar nicht mehr wirklich lernen, weil ihre Aufmerksamkeit permanent übersteuert wird. Die Angst wird nach ein paar Tagen abklingen, weil der Aufreger wie in vielen Fällen keiner war.
    Wie lange dauert eigtl. so ein Schulhalbtag?

    1. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

      genau die nutzung ist der springende punkt. die schule kann die sprachen, welche dieses digitale erst möglich machen, nicht.

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