Netz- und Informationskompetenzen schrittweise erweitern

Gestern habe ich einen Weiterbildungstag zur Frage abgehalten, wie man im Unterricht auf der Sekundarstufe II das Thema »Fake News« behandeln könnte (alle Materialien findet man hier).

In der Diskussion ergab sich eine elementare Einsicht: Jugendliche und Erwachsene brauchen oft Kompetenzen im Umgang mit Informationen. Diese entstehen nicht über die Thematisierung von »Fake News«, sondern in der schrittweisen und konstanten Erweiterung bestehender Kompetenzen.

Im Folgenden gehe ich auf ein paar Zugänge ein, die hilfreich sein könnten.

(1) Zitate und ihre Quellen

Wer schweigt, stimmt nicht immer zu. Er hat nur manchmal keine Lust mit  Idioten zu diskutieren - Albert Einstein Zitat
Bild von hier kopiert

Solche Sharepics kursieren im Netz viele. Das Zitat ist einer Persönlichkeit zugeordnet, unten auf dem Bild steht sogar sowas wie eine Quelle: Ein Link auf eine Seite im Netz. Nur: Das Zitat stammt nicht von Albert Einstein. Wer aber einfach nur mit Google nach dem Zitat sucht, findet es auf vielen Seiten:

Nur ein Suchergebnis, die Seite von Gerhard Krieghofer, erklärt, woher das Zitat stammt und wie es kam, dass es im Netz Einstein zugeordnet worden ist:

Bei einer chronologischen Suche der digitalisierten Texte taucht es 2013 zuerst in den Sozialen Medien ohne Zuschreibung an einen Autor als anonymer Spruch auf. Im August 2013 wurde es ohne Quellenangabe Charles Darwin zugeschrieben und erst danach Albert Einstein.

Entstanden ist das Zitat als Relativierung des alten Sprichworts „Wer schweigt, stimmt zu“, das in verschiedenen Varianten schon bei griechischen und römischen Autoren vorkommt.

falschezitate.blogspot.com

Das Beispiel zeigt: Es reicht nicht, bei Zitaten zu prüfen
a) ob Sie einer Person zugeordnet sind
b) ob eine Quelle angegeben ist
c) ob es bei Google Suchresultate gibt.

a)-c) sind schon recht klare Verfikationsstrategien, die aber erweitert werden müssen. Im Unterricht kann das mit Zitaten aus Schulbüchern etc. gut geübt werden, so dass deutlich wird, dass es ein weiteres Kriterium braucht:

d) in welchem Text dieser Person steht das an welcher Stelle?

Wenn so ein Link oder eine Angabe resultiert, ist das tatsächlich auch hilfreich, wenn man mehr dazu lesen möchte. Alle anderen Angaben reichen nicht aus. So wird für Schüler*innen auch deutlich, wie und weshalb Sie bei Zitaten Quellen angeben sollen, wenn sie selber propädeutisch schreiben.

(2) Bilder: Kontext, Urheberrechte und Rückwärtsbildersuche

Screenshot

Mit diesem Tweet hat Macron 2019 auf die Brände in der Amazonas-Region in Brasilien aufmerksam gemacht. Das Bild, das er verwendet hat, war aber 30 Jahre alt, was als Argument verwendet wurde, um das Engagement von Macron zu delegitimieren.

Ein ungenaues Bild schwächt die eigene Position. Hier brauchen Schüler*innen (und Erwachsene):
a) ein Bewusstsein für die Wirkung von Bildern
b) Werkzeuge für den Umgang mit Bildern (empfehlenswert ist diese Übersicht von Armin Hanisch)

Grundsätzlich braucht es dieselben Verfahren, wie sie oben rund um Zitate beschrieben werden: Wie kann ich feststellen, wer ein Bild wo gemacht hat und was es zeigt? Zusätzlich gilt es dann auch zu fragen, wo man Bilder hochladen darf, wie sie (über die Möglichkeit, sie zu zitieren, verwenden darf oder kann).

(3) Archive, Datenbanken und Nachschlagewerke

Die Versuchung, alles zunächst zu googlen, ist groß – weil das so einfach ist und oft die naheliegendste Handlung. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden: Nur findet Google primär aktuelle, auf die häufigsten Suchbedürfnisse zugeschnittene Ergebnisse. Datenbanken, Archive oder Nachschlagewerke können hier schneller zu relevanten Informationen führen.

In der Schule müssen Schüler*innen in jedem Fach darin geschult werden, diese Ressourcen zu nutzen. Sie einmal zu zeigen reicht nicht: Sie müssen konstant vorgeführt und eingesetzt werden, damit sie nicht vergessen gehen und hinter Google verschwinden.

(4) Abkürzungen, Standards und Tricks

Darüber hinaus gibt es viele einfache Handgriffe, die kompetente User*innen im Umgang mit digitalen Dokumenten und Informationen anwenden (können). Lehrende empören sich teilweise darüber, dass Kinder und Jugendliche diese nicht kennen. Diese Empörung ist fehlgeleitet: Wir alle kannten diese Tricks vor kurzem nicht. Letzte Woche habe ich gelernt, wie man statt eines Screenshots Text auf dem Bildschirm in die Zwischenablage kopieren will, wenn man etwa von einem E-Book oder einem Bild reinen Text zitieren will.

Wir lernen alle immer dazu – und müssen im Unterricht möglich machen, dass Schüler*innen das auch können und tun. In jedem Fach, eigentlich in jeder Stunde – daran arbeiten, dass Kinder und Jugendliche mehr tun, als einfach zu googlen.

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