Die Fragemethode als viraler Aufmerksamkeitshack

»Life Hacks« sind ein verbreitetes Meme: Tricks versprechen, anstrengende Alltagsaufgaben einfacher erledigen oder kleine Probleme mühelos lösen zu können.

Ein Problem der Aufmerksamkeitsökonomie lautet: Wie kann ich mit meinen Profilen konstant Aufmerksamkeit erzielen und meine Reichweite hoch halten?

Ein Hack dafür ist es, einfache Fragen zu stellen, die fast alle Mitlesenden beantworten können. Das funktioniert plattformunabhängig und hat überall dieselben Effekte:

  1. Wer die Frage liest, kann ohne Aufwand antworten – und tut das gerne, weil es erstens um etwas Persönliches geht und zweitens der Eindruck entsteht, die Antwort würde einen Beitrag zu etwas Gutem leisten.
  2. Die Antworten werden von den Plattformen als Interaktion gewertet – das führt dazu, dass die Frage mehr Personen eingeblendet wird.
  3. Wenn große Konten die Fragemethode verwenden, führt das zu Likes und Interaktionen für die Antworten: Es lohnt sich also auch aus aufmerksamkeitsökonomischen Gründen, auf die Fragen einzugehen.

Kurz: Die Fragemethode ist aus der Sicht der Aufmerksamkeit win-win. Wer sie stellt, erzeugt viel Resonanz – wer sie beantwortet ebenfalls.

Nur ist das Spiel oft inhaltsleer: Weder Frage noch Antwort sind an sich interessant. Sie erzeugen Verbindungen für den Algorithmus und führen nicht zu Gesprächen und echten Verbindungen. Allenfalls entsteht ein kurzes Staunen über die Antworten von anderen.

Sammlungen von Antworten erfordern Arbeit: Sie müssen gebündelt und kuratiert werden. Geschieht das, ist die Fragemethode ein guter Weg, um unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen. Geschieht es nicht, ist es ein Mittel, den Matthäus-Effekt im Netz auszuspielen: Wer hat, dem wird gegeben. Auch Aufmerksamkeit.

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