Disconnect – The Movie

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Gestern wurde ich von Rialto Filme eingeladen, »Disconnect« zu visionieren. (Beim anschließenden Gespräch gab’s auch Bier und Apérogebäcke, nur damit keine Missverständnisse aufkommen.) Als Lehrer wollte man von mir wissen, ob sich der Film für die Schule eigne. Das werde ich im Anschluss an eine kurze Rezension beantworten.

Der Film erzählt nach dem Muster von (L.A.) Crash vier Konflikte, die in eine Katastrophe münden. Alle gehen nehmen ihren Ausgang in Online-Kommunikation und weisen auf zerrüttete Beziehungen im weißen Mittelstand der USA hin (im Film sind weder schwarze Menschen zu sehen noch solche, die nicht in einem stattlichen Einfamilienhaus leben und SUVs fahren). Während sich die einzelnen Konflikte  gemächlich entfalten, montiert der Film Szenen aus den verschiedenen Handlungssträngen recht abrupt nebeneinander, wodurch die Episoden verschmelzen und zu einer Einheit werden. Aus Identitätsdiebstahl, Cybermobbing, Online-Sucht und einer digitalen Liebesbeziehung ergeben sich Probleme, die deutlich machen, wie wichtig intakte (familiäre) Beziehungen sind.

Rein thematisch und von der Geschwindigkeit her ist der Film auf der Volksschulstufe meiner Meinung nach eine großer Herausforderung. Im Gymnasium oder auf Berufsschulen könnte der Film medienpädagogische Reflexionen auslösen. Interessant scheint mir besonders der Anfang zu sein, der zeigt, wie bedeutsam digitale Kommunikation für das Leben der Protagonistinnen und Protagonisten ist. Schnell jedoch dominieren die Katastrophenszenarien: Der mittlere Teil des Filmes fühlt sich pädagogisch an wie »Der Duft der großen weiten Welt«, der Rauchpräventionsfilm von Mario Cortesi, den ich als Jugendlicher mehrfach gesehen habe. Die Katastrophen dominieren den Film zu stark: Die intimen Konversationen, die Figuren im Internet führen, werden zwar realistisch präsentiert, doch sie wirken auf den Zuschauer oder die Zuschauerin stets falsch, unmoralisch. Prävention müsste mit kleineren Schritten verfahren und im Leben der Jugendlichen ansetzen: Das Gespräch am Familientisch, das begleitet wird von Chats auf den Smartphones – das ist eine starke Szene des Filmes. Oder der Jugendliche, der über seine Beziehung zu seinem Vater nur unter Vorspiegelung einer falschen Identität und mit einem Unbekannten sprechen kann. Davon hätte ich gerne mehr gesehen und weniger großes Drama.

Der Film – das hat unser angeregtes Gespräch im Anschluss zeigt – sorgt für Diskussionsstoff. Pädagogisch vielleicht nicht ganz idealen, aber angeregtes Engagement kann mehr Wert sein als didaktische Erwägungen.

Der Verleih hat einen Social Hub für den Film errichtet, auf dem man die Diskussion darüber verfolgen kann. Der Film ist im Orange Kino und startet im September in den Kinos.

Disconnect-Wallpaper-01

The Author

philippe-wampfler.ch

2 Comments

  1. Pingback: Kurzkritik : Disconnect by blog.dasrecht.net

  2. Vielleicht sind Filme ja auch für die Schule geeignet, wenn man sie nicht unbedingt im Unterricht schaut, sondern auch mal mit dem Kollegium. Wenn der Film dann auch zu sehr ins Dramatische geht, bleiben die Bilder z.B. von Familienkommunikation doch hängen, und die Gespräche im Anschluss an eine solche „Lektüre“ kommt allen Schülerinnen und Schülern zugute.
    Danke für die Idee, ich werde mir den Film auf alle Fälle (zuerstmal allein) anschauen.

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