Bloggen im Unterricht

Ich habe schon mehrfach Blogs im Unterricht eingesetzt. Die Methode verfolgt parallel mehrere Ziele:

  1. Medienkompetenz und -reflexion
  2. Berufs- und Studienkompetenz
  3. viel schreiben
  4. Schreiben in dem Moment, in dem man kreativ / dazu gelaunt ist
  5. Schülerinnen und Schüler geben sich gegenseitig Rückmeldungen
  6. die eigene Biographie und eigene Eigenschaften reflektieren und anderen präsentieren.

Das Blogprojekt wurde mit einem Dossier eingeführt, das man hier runterladen kann.

Zentral schienen mir folgende Aspekte:

  1. Konzentration auf eine Blogplattform – in diesem Fall WordPress.
  2. Learning by Doing – keine großen technischen Einführungen in die Blogplattform.
  3. Dafür: Individuelles Coaching, Gelegenheit, um Fragen zu stellen.
  4. Niemand muss mit vollem Namen bloggen, Pseudonyme sind explizit möglich.
  5. Blogs können auch als »private« geführt werden – nur die anderen Lernenden der Gruppe müssen Zugriff haben.

Die Punkte 2. und 3. könnten in einer weiteren Durchführung sicher verbessert werden.

Im Folgenden sollen einige ausgewählte Beispiele vorgestellt werden. Nicht notwendigerweise die besten, einfach solche, die einen Überblick verschaffen und zeigen, was in einem Semester möglich ist (10. Schuljahr, ca. 16 Jahre):

  1. Über Lotta und die Welt. 
    Schönes Beispiel dafür, wie Blogs anonym und doch persönlich geführt werden können.
  2. Japanis.ch.
    Hinter diesem Blog steht ein Talent: Ein Talent für Informationsarchitektur, Design und für Debatten.
  3. IvanMitDenBlauenAllstars.
    Blogs müssen nicht notwendigerweise viele Links enthalten, tolle Bilder – sie können auch einfach gut geschrieben sein.
  4. WirtschaftsWissenschaft.
    Oder von einer fachlich kompetenten Person geschrieben sein.
  5. chocolatechipgina
    Hier noch eine Kombination: Persönlich, intelligent – und gut geschrieben…

Und ja: Es gibt Noten für die Blogs. Ziemlich gute, meistens.

Vorstellung: Quote.fm

Ich möchte in einer losen Serie Dienstleistungen im Bereich der Social Media vorstellen, die für den Unterricht und persönliche Lernprojekte genutzt werden könnten, aber wenig bekannt sind.

Der erste dieser Dienste nennt sich Quote.fm und sieht so aus:

Quote.fm erlaubt einem, wie es der Name sagt, Zitate aus gelesenen Texte auszustellen und anderen Usern vorzustellen. Die Idee ist dabei, dass gerade packende Zitate dazu verleiten, unbekannte, lesenswerte Texte zu finden und in sie einzutauchen. Zudem ist natürlich eine Diskussion über diese Zitate oder Texte innerhalb des Netzwerks möglich.

Das funktioniert ziemlich gut – dank eines Bookmarklets, mit dem aus dem Browser raus direkt Texte und Zitate empfohlen werden können, ohne dass man sich auf der Seite von Quote.fm brinden muss.

Auch wenn das Netzwerk heute recht stark englischlastig und die Chance, deutsche Texte zu finden, deutlich kleiner ist – es lohnt sich. (Mich kann man hier dazufügen.)

Kommunikation Lehrpersonen-Lernende über Social Media – Chancen und Gefahren

Das pädagogische Verhältnis zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern ist zwei Gefahren ausgesetzt:

  1. dem Verlust des Vertrauens (oder: dass Vertrauen gar nicht erst zustande kommt)
  2. der Möglichkeit, dass das Verhältnis ins Private kippt.

Im Idealfall ist eine Lehrperson in der Lage, mit einer Schülerin oder einem Schüler ein Verhältnis zu unterhalten, in dem gegenseitiges Vertrauen und gegenseitiger Respekt vorhanden sind.

Die Frage ist nun, ob Präsenz in sozialen Netzwerken für solche Verhältnisse ein Vor- oder Nachteile mit sich bringt. Konkreter: Sollen Lehrpersonen mit ihren Schülerinnen und Schülern auf Facebook befreundet sein, sollen sie einander auf Twitter folgen?

Es gibt einen offensichtlichen Nachteil: In sozialen Netzwerken legen viele Menschen ihr professionelles Gesicht ab. Sie zeigen nicht, wie das allenthalben zu lesen ist, die Bilder ihres ausgelassenen Feierns – aber nutzen die Kanäle zur privaten Kommunikation. Die Gefahr besteht also darin, dass man voneinander Dinge weiß, die mit einem pädagogischen Verhältnis nichts mehr zu tun haben, die es beeinträchtigen und verändern können.

Allerdings besteht die Möglichkeit, Facebook und Twitter als bewusst gestaltete Profile zu nutzen. Meine Profile (Facebook, Twitter) sind bewusst so gestaltet, dass sie öffentlich einsehbar sein können und sollen. Ich bespiele sie mit Inhalten, die zwar meiner Meinung entsprechen – aber nicht Meinungen, die ich vor meinen Schülerinnen und Schülern verstecken müsste. Private Kommunikation und private Inhalte gehören bei mir grundsätzlich nicht auf diese Profile.

Damit ergibt sich eine Chance für die Kommunikation mit Lernenden: Über Twitter und Facebook kann man recht direkt Themen ansprechen, diskutieren und grundsätzlich zeigen, dass man sich füreinander interessiert. Diese Kommunikation ist aber öffentlich einsehbar: Mitschülerinnen und Mitschüler, Eltern, Schulleitungen und andere Lehrpersonen können mitlesen. Es passiert nichts, was nicht alle sehen und lesen könnten – ja: Es ist möglich, dass sich andere an Diskussionen und Gesprächen beteiligen.

So genutzt hat Social Media einen Vorteil gegenüber dem Kontakt per Email oder SMS-Nachrichten: Es sind Emails oder Nachrichten, die öffentlich sind und auf die alle antworten können, die antworten möchten. – Die Gefahr, dass der zeitliche Aufwand für die Pflege dieser Profile aus dem Ruder läuft, besteht aber.

Werden die wenig medienaffinen Menschen Lehrerinnen und Lehrer?

http://twitter.com/#!/jmm_hamburg/status/180979596756389888

Dieser Tweet stammt von einer Veranstaltung auf dem EduCamp Köln 2012, eine Veranstaltung, auf der medienpädagogische Fragestellungen in freien Formen diskutiert werden.

Die Frage kann an sich so stehen gelassen werden, wie sie im Titel formuliert ist. Man könnte sie ausweiten: Unter welchen Umständen würden medienaffine Menschen Lehrerinnen und Lehrer werden wollen? Gibt es tatsächlich Untersuchungen, ob der Lehrerberuf so schlecht abschneidet im Vergleich mit anderen Studien- und Ausbildungsgängen?

Mein subjektiver Eindruck aus der schweizerischen Bildungslandschaft ist der, dass es auch heute noch Lehrpersonen gibt, die es sich leisten können, digitale Analphabeten zu sein, also z.B. nicht die Flexibilität haben, verschiedene Textverarbeitungstools zu nutzen, nicht in der Lage sind, einen Projektor an einen Computer anzuschließen, Dokumente nicht gemeinsam mit Lernenden bearbeiten können und wollen.