Das Lehrmittel der Zukunft: Eine staatliche OER-Plattform – oder: ein »Tiptopf« für alle(s)

Der »Tiptopf« ist ein Schweizer Kochbuch, das Jugendliche in der Sekundarstufe I benutzen, bekommen – und dann als Nachschlagewerk für alle Standardrezepte verwenden. In fast allen Schweizer Haushalten steht eine Ausgabe davon.

Dieses Modell eignet sich, um über Lehrmittel der Zukunft nachzudenken. Im Bericht Lehrmittel in einer digitalen Welt von 2018 steht dieser Abschnitt:

Die Erwartungen an moderne digitale Lehrmittel und die geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Entwicklung, Produktion, Distribution und laufende Pflege stellen insbesondere für kleinere Lehrmittelverlage mit stark regionaler Ausrichtung eine grosse Herausforderung dar. Die hohen Initialkosten für die Entwicklung eines Lehrmittels bilden ein grosses Geschäftsrisiko. Zudem müssen kleinere Lehrmittelverlage auf Distributionsplattformen von Drittanbietern setzen und verlieren damit einen Teil ihrer geschäftlichen Unabhängigkeit. Wie in anderen Wirtschaftszweigen ist deshalb davon auszugehen, dass auch bei Lehrmitteln eine Marktkonzentration stattfinden wird […]

Bildungsbehörden haben Interesse daran, die Lehrmittelentwicklung und -nutzung zu steuern. […] Ein mögliches Modell zur langfristigen Sicherstellung eines Schweizer Lehrmittelmarktes könnte die staatliche Finanzierung der Entwicklung und des Betriebs von Lehrmitteln sein, verbunden mit einer kostenlosen Abgabe an die Schulen. Vereinfacht könnte man dieses Modell als staatlich finanzierte OER (Open Educational Ressources) bezeichnen.

Die Idee wäre also folgende:

  1. Eine offen und kostenlos zugängliche Sammlung von aktuellem Grundlagenwissen.
  2. Die Sammlung ist im Netz und über Apps abrufbar.
  3. Dieses Grundlagenwissen wird redaktionell von Fachpersonen erstellt und multimedial aufbereitet (mit Grafiken, Videos etc.).
  4. Schulen benutzen dieses Material als Basis von Lernprozessen.
  5. Gleichzeitig hat aber auch die Öffentlichkeit darauf Zugriff: Unternehmen, Eltern etc. können schwellenlos darauf zugreifen.
  6. Die einzelnen Bereiche werden von Redaktionen betreut, die z.B. Bildungsverlage zur Verfügung stellen und konstant überarbeitet und aktualisiert.
  7. Die Finanzierung erfolgt über den Staat, er kauft Leistungen bei Redaktionen ein.
  8. Zusätzliches Schulmaterial (Übungsplattformen etc.) kann aufgrund der terminologischen und konzeptionell einheitlichen Basis daran anknüpfen, wird aber nicht über diese OER-Plattform verbreitet. Sie beschränkt sich auf Grundlagenwissen.

Das Projekt ist nicht einfach zu stemmen, aber es löst eine Reihe von Problemen. Welche?

  • Viel Wissen wird professionell für Schulbücher aufbereitet, aber oft parallel und nicht öffentlich zugänglich. Die investierten Ressourcen könnten und müssten besser genutzt werden.
  • Grundlagenwissen ändert sich. Eine Netzplattform erlaubt es, permanent Aktualisierungen vorzunehmen.
  • Ein gemeinsamer Standard und eine professionelle Gestaltung ermöglicht es, Wissen so darzustellen, dass es auf digitalen Endgeräten attraktiv erscheint. Die Zeit von digitalisierten pdfs ist vorbei.
  • Über die Kantone hinaus ergäbe sich eine Grundlage und eine Standardisierung, die zusätzliche Individualisierung und Spezialisierung erlaubt.

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