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Wahrnehmungen sichtbar machen – die Umfrage-Methode

Für eine Weiterbildung wollten wir sichtbar machen, dass Schülerinnen und Schüler (beziehungsweise ihr Verhalten) von Erwachsenen oft verzerrt oder einseitig wahrgenommen werden. Um das zu zeigen, haben wir folgende Methode eingesetzt:

  1. Eine Liste mit ja/nein-Fragen für die Schülerinnen und Schüler formuliert.
  2. Diese Liste über MS Forms geteilt (wir arbeiten in einem Office365-Umfeld, da geht das sehr leicht).
  3. Die Lehrerinnen und Lehrer mit einer zweiten Umfrage aufgefordert, den Ja-Anteil unter den Schülerinnen und Schülern zu schätzen.

Als Resultat erhielten wir dann beispielsweise folgendes Ergebnis:

  • 85% der Schülerinnen und Schüler sagen, sie hätten einen Snapchat-Account
  • die Lehrerinnen und Lehrer schätzen, dass 46% der Schülerinnen und Schüler einen Snapchat-Account haben.

Diese Frage ist nun recht harmlos: Sie zeigt lediglich, dass viele Lehrkräfte nicht wissen, wie wichtig Snapchat ist (oder was es überhaupt ist). Andere Ergebnisse sind interessanter – die Daten kann ich hier aber nicht publizieren.

Das hat auch einen methodischen Grund: Die Daten müssen interpretiert werden. Eine Frage lautet: »Ich schaffe es meistens, meine Hausaufgaben vollständig zu erledigen.« Wer hier mit »nein« antwortet, kann das aus zwei Gründen tun: Erstens, weil er oder sie wenig Aufgaben erledigt und so den Anforderungen nicht genügen kann. Zweitens, weil sie oder er sehr seriös arbeitet und sich hohe Ziele setzt, die dann aber nicht erreicht werden.

Die Komplexität wird durch die hohe Zahl erhöht: Am Schluss können Mittelwerte verglichen werden, die einzelne Schülerin und der einzelne Lehrer verschwinden aber dahinter. Das ändert sich auch nicht, wenn man Cluster bildet und die Daten genauer analysiert.

Was aber bleibt, ist der Eindruck, dass es extrem schwierig ist, Jugendliche richtig einzuschätzen. Das ist heilsam: Es wird deutlich, dass

  • die starken Thesen, die viele Erwachsene verbreiten, häufig auf anekdotischer Evidenz basieren
  • die Studien sich nicht direkt auf eine enger definierte Zielgruppe runterzubrechen lassen (amerikanische Studierende antworten auf Umfragen anders als alle deutschen Jugendlichen und diese antworten noch einmal anders als die Schüler*innen einer Schule)
  • es unter Jugendlichen viel individuelles oder gruppenbezogenes Verhalten gibt, es sich nicht um eine homogene Gruppe mit gleichen Praktiken handelt
  • wir unser Verhalten auf eigentlich unzulässigen Verallgemeinerungen und Annahmen abstützen.

Bildschirmfoto 2019-09-20 um 19.44.07

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