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Was wir von »The Good Place« für die Mehrwert-Debatte lernen können

Gestern habe ich beim Apéro-Gespräch eine Serienempfehlung erhalten: »The Good Place« sei witzig gemacht und doch Unterhaltung mit Anspruch, die 20-Minuten-Folgen ließen sich gut in den Feierabend integrieren oder »bingen«. Ich habe dann zurückgefragt, ob die Serie für Netflix geschrieben sei oder für einen Fernsehsender – und dann beim Schauen der ersten Folgen gemerkt, dass es eine Fernsehserie ist (sie wurde für NBC produziert und wird in Europa über Netflix ausgestrahlt).

Obwohl mir der Humor und das Konzept gut gefallen, stört mich das Fernseh-Format: Es führt zu redundanten Informationen sowohl in den einzelnen Folgen (die zweite Folge erklärt die Handlung und Exposition der ersten noch einmal usw.) wie auch zwischen Szenen: Zuschauerinnen und Zuschauer müssen nach der Werbeunterbrechung wieder abgeholt werden.

Streaming hat Serien verändert. Können die Teams, welche Serien schreiben, davon ausgehen, dass Zuschauerinnen und Zuschauer auf alle Folgen einer Serie zurückgreifen können, können sie direkter, schneller erzählen. Sie sind nicht darauf angewiesen, mitten in einer Staffel neue Zuschauerinnen und Zuschauer zu gewinnen oder Serien so zu gestalten, dass andere Sender Folgen später noch einmal ausstrahlen würden. Zu sagen, das sei der »Mehrwert« von Streaming, wäre deshalb aber unsinnig: Private Fernsehsender wie HBO haben Serien grundsätzlich verändert (»It’s not TV, it’s HBO«, mehr dazu in einem Aufsatz), indem sie Werbung entfernt und neue Finanzierungsmodelle für Serien gefunden haben, die weniger stark von Einschaltquoten abhängen, sondern DVD-Verkäufe einplanen. Netflix und andere Streaming-Anbieter haben diese Entwicklungen weitergeführt: Sie bieten Serien auch auf mobilen Endgeräten an und machen für eine gewisse Zeit alle Episoden gleichzeitig verfügbar.

Kurz: Serien werden heute anders geschrieben als vor 10 oder 20 Jahren. Das ist nicht ein »Mehrwert«, sondern einfach eine Folge veränderter technischer, medialer, gesellschaftlicher und ökonomischer Voraussetzungen. So können wir davon ausgehen, dass Unterricht, Schule und Lernen in 10 oder 20 Jahren anders erfolgen werden, weil sich die Rahmenbedingungen dafür ändern. Der Leitmedienwechsel ist ein starker Faktor, der aber auch mit anderen verbunden ist.

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